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S. auch Geschichte der kubanischen Manufakturen

Inhaltsverzeichnis

Die Entdeckung

Christoph Kolumbus – Gemälde von Sebastiano del Piombo (1529–1530)

Die exakte geografische und historische Herkunft der Zigarre ist laut Wikipedia nicht bekannt. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass in Südamerika schon seit Jahrtausenden Tabak in Tabakspfeifen und anderen Formen geraucht wird. Manche indigenen Völker Südamerikas gebrauchten bei sakralen Ritualen zigarrenähnliche Tabakprodukte, durch die Priester mit den Göttern in Kontakt treten konnten. Später wurde dieses Privileg wohl auf die Stammeshäuptlinge ausgeweitet.

Sicher ist, dass der erste Kontakt mit Tabak auf die Reise des Christoph Kolumbus 1492 zurückgeht. Zwei seiner Seeleute berichteten, dass die kubanischen Indianer (Taíno) zu Zylindern gedrehte Blätter rauchen würden. Schnell übernahmen Seeleute die Gewohnheit und importierten das Rauchen so über Spanien und Portugal nach Frankreich.

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Die Verbreitung

Jean Nicot (1530-1604), Botschafter Frankreichs in Portugal, hat Tabak als Heilmittel nach Frankreich eingeführt - und dem Hauptwirkstoff Nikotin den Namen gegeben. Von Frankreich aus trat der Tabak seinen Siegszug durch ganz Europa an. Die Reisen von Sir Walter Raleigh (1554-1618) sorgten für die Verbreitung in Amerika und Grossbritannien - wo Tabak vor allem in Pfeifen konsumiert wurde. Bis Mitte des 16. Jahrhunderts war der Tabak weit verbreitet. Ursprünglich vor allem als Heilmittel gedacht, wurde Tabak immer mehr zum Genussmittel. Seit Anfang des 17. Jahrhunderts wird Tabak in Amerika kommerziell angebaut.

Die Geschichte der Habano

Von der spanischen Kolonialherrschaft bis hin zu den Chinchales

Havanna, die Hauptstadt Kubas, ist die Wiege der berühmten Habanos. Denn obwohl der Tabak von den besten Vegas Kubas kommt, werden und wurden die besten Zigarren der Welt schon immer im Herzen der Stadt Havanna hergestellt. Im Jahre 1519 gegründet, ist Havanna seit 1607 die Hauptstadt des Landes.

Havanna war Jahrhunderte lang unter spanischer Kolonialherrschaft. Das Tabakmonopol befand sich fest in Händen der spanischen „Real Factoría“, einer Gesellschaft, welche die gesamte Tabakproduktion in Kuba bis hin zum Export nach Spanien steuerte und überwachte. Schnupftabak und Kautabak waren in Europa und der restlichen Welt sehr gefragt. Zigarren spielten keine so bedeutende Rolle; sie wurden nur in geringer streng limitierter Zahl hergestellt. Anders aber als in Europa zur damaligen Zeit üblich, war auf Kuba die Zigarre oder der Tabakwickel, der geraucht wurde, die ursprüngliche Form des Tabakgenusses. Schon Columbus stieß bei seiner Entdeckung des amerikanischen Festlandes und Cubas auf Ureinwohner, die sich einen Tabakwickel in den Mund steckten und rauchten.

Havanna unter britischer Herrschaft

Als Spanien 1762 in den Siebenjährigen Krieg zwischen Grossbritannien und Frankreich verwickelt wurde, eroberten die Briten Havanna und behielten die Stadt elf Monate in ihrem Besitz. Während der Zeit der britischen Besetzung wurde die Macht des spanischen Tabakmonopols „Real Factoría“ nachhaltig geschwächt.

Diese kurze Unterbrechung des Einflusses Spaniens war der Beginn der Auflösung des spanischen Monopols im Tabakhandel. In dieser Zeit des Freihandels und der freien Wirtschaft gewannen die kreolischen Bürger auf Kuba eine Vorstellung davon, wie viel sie ohne die kolonialen Fesseln Spaniens verdienen konnten. Denn das spanische Kolonialsystem kontrollierte nicht nur die Produktion von Gütern, sondern lenkte auch den gesamten Handel über spanische Häfen und erhob sogar für den Handel der spanischen Kolonien untereinander hohe Import- und Exportabgaben. Während der kurzen britischen Besatzungszeit war es plötzlich jedem erlaubt, Zigarren herzustellen. Diese wurden in so genannten „Chinchales“ gerollt.

Als „Chinchales“ bezeichnete man kleine Zigarrenmanufakturen. Es handelte sich meist um Familienbetriebe, die sich in Wohnhäusern befanden und in denen zu Beginn meist nicht mehr als ein oder zwei Roller arbeiteten. Diese „Chinchales“ schossen wie Pilze aus dem Boden. Man produzierte zunächst nur für den heimischen Bedarf. Es dauerte allerdings nicht lang, bis die Produktion gesteigert wurde. Die Besitzer der „Chinchales“ begannen, mit Tabakimporteuren aus Grossbritannien, Deutschland, Nordamerika und anderen Ländern zu kooperieren. Das führte zu einem regelrechten Zigarren–Boom. Diese Phase dauerte allerdings erst einmal nicht sehr lang. Ein knappes Jahr, elf Monate, später wurde Kuba im „Frieden zu Paris” im Tausch gegen Florida wieder Spanien zugeschlagen.

Zurück unter spanischer Kontrolle

Nachdem Spanien seine Kontrolle über Kuba zurückgewonnen hatte, erstarkte auch die „Real Factoría“ beinahe wieder zu alter Macht. Allerdings war inzwischen die Nachfrage nach Zigarren enorm gestiegen. Die „Real Factoría“ legte daraufhin ein Limit fest, in welcher Menge Tabak zur Herstellung von Zigarren verwendet werden durfte. Die „Real Factoría“ versuchte noch eine Zeit lang, die Herstellung grösserer Mengen an Zigarren zu unterbinden, da der Absatz von Schnupf- und Kautabak durch den Zigarrenkonsum nicht beeinträchtigt werden sollte.

Aber die Entwicklung liess sich nicht aufhalten. Die Nachfrage nach Zigarren stieg immer weiter. Die „Real Factoría“ errichtete selbst eine grosse Zigarrenfabrik. Als königliche Einrichtung rekrutierte sie ihre Arbeitskräfte über die Wohlfahrt. Dort gab es eine Menge weisser Frauen, die bereit waren, für wenig Geld viel zu arbeiten. Die verbleibenden Stellen wurden mit weiblichen Sklaven besetzt.

Ab 1799 blühte die Zigarrenproduktion. Zu Beginn gehörte der „Real Factoría“ nur eine einzige Fabrik, im Jahre 1802 errichtete man eine weitere Manufaktur. Mehr als 100'000 Kilogramm Tabak wurden damals verarbeitet, alle Zigarren exportierte man nach Spanien.

Die Zigarrenproduktion in den kleinen „Chinchales“ lief unterdessen ununterbrochen weiter. Die „Real Factoría“ sah darüber aus verschiedenen Gründen grosszügig hinweg. Nicht wenige Angestellte der „Real Factoría“ unterhielten nebenher ein eigenes „Chinchales“ als Nebenerwerb. Die „Real Factoría“ war ausserdem nicht in der Lage, den gesamten von den Vegueros (Tabakpflanzern) produzierten Tabak aufzukaufen. Und nicht alle Zigarren konnten auf dem spanischen Markt abgesetzt werden.

Man muss sicherlich in diesem Zusammenhang einen Blick nach Europa werfen: seit 1792 etwa herrschte Krieg in Europa, um den Einfluss der französischen Revolution und Napoleon Bonaparte zurückzudrängen. Da Spanien durch verschiedene ungünstige Umstände in den Krieg involviert war, schränkte das natürlich auch die Handelsbeziehungen ein.

Die „Chinchales“ florierten. Und es gab erste Bestrebungen, Zigarrenmarken einzuführen. Don Francisco Cabañas gehörte im Jahre 1810 mit zu den ersten, die eine eigene Marke registrieren liessen, eine absolute Novität. Neben ihm unterhielt auch der Katalonier Bernadino Rencurrel ein einträgliches Geschäft auf der Calle Cuna No.10 in Havanna. Auch er liess sich eine Marke unter seinem Namen registrieren. Wahrscheinlich war er der erste, der dies tat, ganz sicher ist es aber nicht.

Die Chinchales entwickelten sich zu einer bedeutenden Kleinindustrie und wurden zu einer Konkurrenz für die „Real Factoría“. Denn nicht nur die Lieferanten waren vom Angebot der „Chinchales“ beeindruckt, auch viele Beschäftigte der „Real Factoría“ schauten nach den wesentlich besseren Löhnen, die in den „Chinchales“ gezahlt wurden. Don Francisco de Arango y Parreno , eine angesehene Persönlichkeit in Kuba zu dieser Zeit und ausserdem Berater der „Real Factoría“, brachte diese Zustände in seinem Report 1812 auf den Punkt. Noch dazu sprach er sich für eine Reihe von Reformen aus, darunter die Auflösung der „Real Factoría“ und damit des spanischen Tabakmonopols.

Ferdinand VII. von Spanien (Gemälde von Goya, 1814)

Das Ende der „Real Factoría“ – Auflösung des Monopols

Von 1808 bis 1814 befand sich Spanien unter französischer Herrschaft. Nachdem Ferdinand VII. von Spanien 1814 wieder an die Macht kam, konzentrierte er sich vor allem auf die Zustände in den Kolonien. Unter seiner Führung wurde im Jahre 1817 das spanische Tabakmonopol in Kuba tatsächlich aufgelöst. Der König betonte in seiner Verordnung, dass nur ein freier Handel zwischen Europäern, Amerikanern und Spaniern die Entwicklung aller fördern könnte. Ihm lag ausserdem daran, den „Anbau und die Kultivierung des vorzüglichen Tabaks auf Kuba“ zu fördern.

Durch die völlige Auflösung der „Real Factoría“ standen von nun an alle Möglichkeiten für einen raschen Aufschwung der Zigarrenindustrie offen. Ein unglaublicher Boom folgte. Von überall her strömten Unternehmer, die in der Zigarrenindustrie ihr Glück versuchen wollten und von den wundervollen Habanos gehört hatten. Die Nachfrage war riesig.

Bereits zu dieser Zeit war die Habano zu einem Statussymbol überall auf der Welt geworden. Im Jahre 1840 existierten in Havanna 306 Zigarrenmanufakturen, 1861 sollten es bereits 516 sein. Im Jahre 1855 erreichte die Zahl der exportierten Zigarren die astronomische Zahl von 356,5 Millionen Stück.

Die Einführung der Lithographie

Aufgrund der Nachfrage nach Habanos und aufgrund der überaus grossen Beliebtheit auf dem internationalen Markt tauchten schon nach kurzer Zeit eine Unmenge an Fälschungen auf. Man brauchte also eine Möglichkeit, echte Habanos zu kennzeichnen.

Der in Havanna lebende Spanier Ramón Allones war 1845 der erste, der seine Habanos in 25er Kisten packte und diese Kisten mit einer Abbildung versehen liess, die den Kunden über sein Produkt und dessen Herkunft informierten. Er benutzte dafür lithographische Drucke.

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Bildquelle: 5THAVENUE Products Trading GmbH

Bei lithographischen Drucken handelt es sich um Abbildungen, die im Steindruckverfahren hergestellt werden. Das Steindruckverfahren, Lithographie genannt, war damals noch ein sehr junges Verfahren, das erst im Jahre 1798 entdeckt worden war. Es eignete sich aber sehr gut zur Vervielfältigung von Schrift und Bild. Mithilfe verschiedenster Materialien wird auf Stein eine Abbildung aufgebracht. Diese presst man mittels grossen Druckes auf ein Papier. In vielen Bereichen, vor allem zur bildhaften Darstellung, setzte sich dieses Verfahren durch. Man muss vor allem bedenken, dass damals die Fotografie im Alltag noch nicht Einzug gehalten hatte. Bereits seit Anfang des Jahrhunderts, genauer seit 1822, existierte in Havanna eine Werkstatt für lithographische Drucke. Die Zahl der Werkstätten wuchs in den folgenden Jahren enorm.

Schon nach relativ kurzer Zeit wurden diese einfachen Abbildungen durch Chromolithographien, das heisst farbige Abbildungen ersetzt. Diese sehr aufwändigen, meist mit Gold verzierten Darstellungen, sind wahre Kunstwerke. Durch diese hochwertige Form der Präsentation unterstrich man ausserdem die Hochwertigkeit des Produktes Habano selbst.

Havannas Zigarrenpaläste

Mitte des 19. Jahrhunderts war die Habano überall auf der Welt zu einem Statussymbol geworden. In den Jahren 1840 bis 1860 begann man mit dem Bau wunderschöner Gebäude, die speziell als Zigarrenmanufakturen konzipiert wurden. So etwas hatte es vorher noch nie gegeben. Diese Häuser, die ausnahmslos sehr eindrucksvoll sind, spiegeln die enorme Kraft und Macht des Zigarrengeschäftes dieser Zeit wider.

Die ersten Manufakturen waren 1840 „El Figaro“, erbaut von Julián Rivera, und die „Punch-Fabrik“, die bereits kurze Zeit später von Luis Corujo übernommen wurde. 1844 bereits folgte die berühmte und auch heute noch existierende „Partagás-Manufaktur“. Dann kamen die „H. Upmann-Fabrik“ auf der Calle Carlos III. und die Manufakturen “La Reforma” und “La Africana” hinzu. 1845 wurde die Fabrik „La Corona“ auf der Calle Kuba erbaut. Sie existiert heute allerdings nicht mehr. Die heute unter dem Namen „La Corona-Manufaktur“ berühmte Fabrik wurde erst 1904 vollendet. Eine Reihe anderer Fabriken entstanden ebenfalls in dieser Zeit. Allerdings handelt es sich um Namen und Marken, an die sich heute niemand mehr erinnert. Eine dieser Fabriken, „La Majagua“ soll hier lediglich erwähnt werden, da das Gebäude auch heute noch steht und sogar in sehr gutem Zustand ist.

1861 existierten in Havanna und den umliegenden Distrikten 516 Zigarrenmanufakturen, in denen insgesamt 15'128 Menschen arbeiteten. 158 davon bezeichnete man als Manufakturen „erster Klasse“, in ihnen arbeiteten jeweils mehr als 50 Roller. Die grössten Fabriken beschäftigten aber damals mehr als 500 Arbeiter.

Im Jahre 1863 wurden laut eines königlichen Beschlusses Teile der Stadtmauer Havannas niedergerissen, die inzwischen mitten durch die Stadt verlief. Dies schaffte Neuland, das bestens dafür geeignet war, Platz für die riesigen Zigarrenpaläste zu bieten, die ihre gut situierten Eigentümer bauen wollten. Es handelte es sich um grosse Gebäude, die den ökonomischen Erfolg der Habano weltweit widerspiegelten. Diese Gebäude entstanden fast alle um 1880 herum. Zu diesen Gebäuden zählten „La Escepción“ von Jose Gener, „La Meridiana“ von Pedro Murias, „El Eden" von Calixto Lopez, der „Palacio Villalba“, den José Suárez Murias, Inhaber der gleichnamigen Marke, der Witwe des Marqués de Villalba abkaufte und daraus eine Zigarrenmanufaktur machte und den „Palacio Aldama“, damals unter anderem Herstellungsort der Marke La Corona. Um das Jahr 1880 kann man von einer Blütezeit der Habano sprechen.

Wichtig war es damals, möglichst verkehrsgünstig gelegen zu sein: mit der Bahn wurde der Tabak in die Hauptstadt transportiert. Dies hatte zur Folge, dass die Fabriken dieser Zeit räumlich sehr nah beieinander liegen. Adriano Martinez Rius bezeichnet dieses relativ kleine Gebiet in Havannas Innenstadt als „Habano Golden Perimeter”. Sicherlich sind diese Paläste auch ein Ausdruck des Konkurrenzkampfes, den sich die verschiedenen Zigarrenproduzenten untereinander lieferten. Die Paläste konnten schöner, grösser und ansehnlicher nicht sein. Noch dazu boten diese Räumlichkeiten natürlich optimale Arbeitsbedingungen für die Torcedores.

Unruhige Zeiten – Havanna am Ende des 19. Jahrhunderts

Markenpiraterie

Der Boom der Habano im Verlauf des 19. Jahrhunderts brachte neben der immer weiter steigenden Nachfrage und dem weltweit guten Absatz natürlich auch Nachteile mit sich. Das schwerwiegendste Problem bestand darin, dass eine Vielzahl verschiedener Marken und Markennamen existierte, deren Nutzung aber rechtlich nicht eindeutig geregelt war. Viele der existierenden Markennamen stammten aus der Zeit der kleinen Chinchales, als es deren Hunderte gab. Viele Marken wurden übernommen und unter deren Namen in den grossen Fabriken Zigarren produziert. Nicht wenige Markennamen aus den Anfangszeiten des Zigarrenbooms blieben von ihren Eigentümern unbenutzt, da die Produktion längst eingestellt war. Aufgrund der Unübersichtlichkeit nutzten nicht wenige Hersteller die Möglichkeit, unter einem schon bekannteren Markennamen selbst Zigarren zu vertreiben, sehr zum Verdruss der Markeninhaber.

Die Lage war so angespannt, dass der Generalkommandant der Insel, Guitierrez de la Concha, am 24. Dezember 1855 in die „Stadtverordnung von Havanna“ die Artikel 60 und 61 einfügen liess, welche die Rechte der Markenbesitzer und Zigarrenverkäufer klar regelte. Jeder, der Zigarren unter einem Markennamen verkaufte, ohne diesen zu besitzen, sollte demnach eine Strafe von 13 bis 20 Pesos zahlen. Ausserdem legte der Gouverneur fest, dass alle Marken bei ihm registriert sein mussten. Nur bei vorliegender Anmeldung war man berechtigt, unter diesem Namen Zigarren herzustellen und zu verkaufen. Wer sich dieser Anordnung widersetzte, riskierte eine Strafe von 10 bis 13 Pesos.

Einführung des Garantiesiegels als Schutz vor Fälschungen

Neben der Markenpiraterie wurden Habanos natürlich schon frühzeitig gefälscht und geschmuggelt. Die in Kuba kopierten Kisten wurden mit Zigarren anderer Provenienzen gefüllt. Diese zu einem günstigeren Preis angebotenen gefälschten Habanos beschädigten mit der Zeit den Ruf derselben, da sie in qualitativer Hinsicht mit dem Original nicht mithalten konnten. Um die Echtheit der Habanos auszuweisen, wurde am 13. Februar 1889 ein Garantiesiegel eingeführt, welches die Mitglieder der „Union de Fabricantes de Tabaco“ dazu berechtigte, ihre Zigarren als solche in Havanna hergestellte auszuzeichnen. Dieses Siegel trug entscheidend dazu bei, die Habanos zu schützen. Das damals eingeführte Siegel existiert auch heute noch, allerdings in optisch überarbeiteter Form.

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Garantiesiegel aus dem Jahre 1902; Bildquelle: Claudia Puszkar

Kubas Kampf um Unabhängigkeit

Kuba kämpfte Ende des 19. Jahrhunderts als eine der letzten grossen Kolonien um die schon seit langem angestrebte Unabhängigkeit von Spanien. Forderungen nach mehr Freiheiten, vor allem im Handelsverkehr, hatte Spanien immer wieder unterdrückt. Die Kubaner waren schliesslich bereit, ihre Rechte notfalls mit Gewalt zu erstreiten. Die insgesamt drei Kriege, die sich über einen Zeitraum von dreissig Jahren erstreckten, brachten weitreichende gesellschaftliche, politische und natürlich auch wirtschaftliche Veränderungen mit sich.

„Guerra Larga“ 1868 bis 1878

Der erste Krieg, „Guerra larga“ oder auch „Langer Krieg“ genannt, dauerte insgesamt zehn Jahre. Die Revolutionsarmee wuchs zeitweilig auf über 12'000 Mitstreiter an, darunter auch viele Sklaven. Nicht wenige Grossgrundbesitzer schlossen sich den Aufständischen an, weil sie sich bessere Handelsbedingungen, vor allem mit den USA, erhofften. Der Westen der Insel blieb von den Kämpfen zunächst ausgeschlossen. Beendet wurde dieser Krieg mit dem „Frieden von Zanjón“. Kuba erhielt zwar eine Vertretung in den spanischen Cortes (spanisches Parlament) und die schrittweise Sklavenbefreiung setzte ein. Das eigentliche Ziel, Autonomie zu erlangen, konnte jedoch nicht durchgesetzt werden. Zahlreiche Zigarrenproduzenten emigrierten während des Krieges in die Vereinigten Staaten. Sie siedelten sich vorwiegend in Tampa, Key West und New York City an. Auch die Zahl der Vegas verringerte sich in dieser Zeit enorm. Waren es 1862 noch über 11'000 gewesen, registrierte man im Jahre 1877 noch lediglich 4'500.

„Guerra Chiquita“ 1878-1879

Fortgesetzt wurde der Unabhängigkeitskrieg durch den so genannten „Kleinen Krieg“, Guerra Chiquita, von 1878 bis 1879. Doch auch diesmal blieben die Wünsche der Kubaner unerfüllt.

„Guerra de Independencia“ 1895-1898

José Martí

Weitere Jahre gingen ins Land. Revolutionsstreitkräfte, unterstützt durch Exilkubaner in Nordamerika, bereiteten sich auf den Angriff vor. José Martí wurde zu einer wichtigen Leitfigur im Kampf um die Unabhängigkeit Kubas und Lateinamerikas. Ihm gelang es, die seit vielen Jahren gespaltenen Revolutionskräfte wieder zu vereinen und in den Kampf zu führen.

Spanien scheiterte trotz anfänglicher militärischer Überlegenheit an den Aufständischen. Der Kampf erstreckte sich diesmal über die gesamte Kubanische Insel, schloss also den für Spanien wirtschaftlich wichtigen Westen mit ein. In Spanien wurde deshalb bereits offen über einen Rückzug aus Kuba debattiert.

Doch im April 1898 mischte sich die USA ins Kriegsgeschehen ein. Sie war wirtschaftlich an Kuba, ebenso wie an den Philippinen und Puerto Rico, stark interessiert. Schon lange gab es Überlegungen auf amerikanischer Seite, Kuba zu annektieren.

Der so genannte Amerikanisch-Spanische-Krieg dauerte nur wenige Monate. Spanien kapitulierte und Amerika ging als Sieger aus diesem Krieg hervor. Die Aufständischen waren der militärischen Überlegenheit der Amerikaner nicht gewachsen. Im „Frieden von Paris“ gab Spanien die Philippinen und Puerto Rico an die USA ab und erhielt dafür eine Entschädigung in Höhe von 20 Mio. Dollar. Kuba wurde zwar formal unabhängig, blieb aber unter amerikanischer Besatzung. Im Jahre 1902 erhielt Kuba formal den Status einer Republik, doch die USA sicherten sich in einem Zusatzartikel in der Kubanischen Verfassung das Recht auf militärisches Eingreifen, sollten sie ihre Interessen oder ihr Eigentum gefährdet sehen. Kuba war damit weder politisch noch militärisch unabhängig und blieb de facto unter amerikanischer Herrschaft. Die USA richteten zudem zwei Militärstützpunkte auf der Insel ein: Bahía Honda, welches 1912 aufgelöst wurde, und das auch heute noch existierende Guantanamo. In den folgenden Jahrzehnten sollten die USA ihre militärische Interventionsmöglichkeit mehrfach nutzen.

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Bildquelle: 5THAVENUE Products Trading GmbH

War Kuba vordem von spanischen Handelsbestimmungen abhängig, bestimmten nun die Amerikaner den Markt. Die USA, neben Spanien und England damals grösstes Exportland für Habanos, erhöhte seine Import-Schutzzölle, was zu einem Einbruch des Handels zwischen Kuba und den USA führte. Der Unabhängigkeitskrieg, der trotz aller Bemühungen für Kuba keine wirkliche Unabhängigkeit brachte, hinterliess bei vielen Kubanern eine schwere Depression und eine geschwächte Industrie.

Die Übernahme der Kubanischen Zigarrenindustrie durch amerikanische und britische Investoren

Der Unabhängigkeitskrieg, der Kuba die letzten dreissig Jahre des 19. Jahrhunderts enorm schwächte, hinterliess das Land in einem wirtschaftlich desolaten Zustand. Beträchtliche Auswirkungen hatte das auch auf die Zigarrenindustrie. Viele Tabakproduzenten waren während des Krieges wegen der wirtschaftlich unsicheren Lage und teilweise auch aus politischer Überzeugung ausser Landes gegangen. Die Arbeit in den Fabriken lag deshalb in vielen Bereichen brach. Auch viele der Torcedores waren in die USA ausgewandert. Ein Mangel am Rohmaterial Tabak kam erschwerend hinzu.

Die am Boden liegende Wirtschaft bot zu diesem Zeitpunkt anderen Investoren Chancen zum Neueinstieg. Diese Chance nutzten britische und amerikanische Investoren. Sie kauften nicht nur grosse Fabriken und Marken auf, sondern sicherten sich auch die besten Plantagen und Trockenhäuser des Landes und übernahmen somit die komplette Kontrolle über die Kubanische Tabakindustrie.

Einer der grossen Investoren war Gustav Bock, Mitbegründer der „Havana Cigar & Tobacco Factory“, einem Konsortium, das sich sehr stark auf dem Kubanischen Markt positionierte. Gustav Bock war Teilhaber der „Henry Clay & Bock and Co Ltd“, die einen beträchtlichen Teil der Kubanischen Zigarrenindustrie erwerben sollte. Gustav Bock stand diesem Konsortium selbst vor. Hinter Gustav Bock standen vor allem britische Investoren. Sie kauften beispielsweise die schon damals berühmte Marke und dazugehörige Manufaktur „La Corona“ mit insgesamt 18 Zigarren- und 3 Zigarettenmarken, daneben „La Rosa de Santiago“, „La Flor de Naves“ und „La Legitimidad“. Zum Besitz der Produktionsstätten gehörte aber auch das Markenrecht für über 30 verschiedene Marken.

Die Amerikaner folgten dem britischen Beispiel. Sie begannen ebenso, Fabriken und Vegas aufzukaufen. Sie sicherten sich damit nicht nur den Tabak, den sie für ihre Produktion in Havanna brauchten, sondern auch das Rohmaterial für ihre Produktion in Key West, Tampa, New York, Philadelphia, New Orleans und an anderen Standorten. Die Amerikaner entwickelten sich auf dem Kubanischen Markt sehr stark. Mehrere amerikanische Firmen drängten auf den Markt. Eine der ersten und bedeutendsten Firmen war die „Havana Commercial Co.“, die als so genannter „American Trust“ in die Geschichte eingegangen ist. Hauptanteilseigner war ein Amerikaner namens Collins, der in Havanna vor Ort einen Kenner der Kubanischen Zigarrenindustrie, Francisco García, einsetzte. Unter dessen Führung kaufte der „American Trust“ zwölf bedeutende Fabriken in Havanna auf. 149 Zigarrenmarken nannten sie ihr eigen, sowie 36 Eigentumsrechte für Zigaretten. Ein weiterer Coup gelang ihnen durch die Übernahme der Firma „Hija de Cabañas y Carbajal“. Damit konzentrierte der American Trust ab 1903 mehr als die Hälfte der Habano-Marken in seiner Hand.

Auch bei den britischen Firmen kauften sich die Amerikaner ein. Die „Henry Clay & Bock Ltd.“ beispielsweise übertrug einen beträchtlichen Teil ihrer „La Corona“-Anteile an den „American Trust“. Damit blieb „La Corona“ zwar offiziell unter dem Management von „Henry Clay & Bock“, das Kapital aber kam fast ausschliesslich aus amerikanischer Hand.

Im Jahre 1904 konnte die auch heute noch erhaltene berühmte neue „La Corona“-Fabrik fertiggestellt werden. Sie befindet sich direkt neben dem heutigen „Museo de la Revoluccion“, dem ehemaligen „Palacio de Presidencial“, dem Präsidentenpalast. Dieser wurde allerdings erst später, im Jahre 1920, erbaut. Es handelte sich bei dem Gebäude der „La Corona-Manufaktur“ um die damals erste Strahlkonstruktion auf Kuba und ist deshalb unter dem Namen „Palacio de Hierro“ oder „Iron-Palace“, Eisen-Palast, bekannt geworden. Eine New Yorker Konstruktionsfirma errichtete das beeindruckende Gebäude für einen Preis von damals einer Million Pesos. Die Produktion eines Grossteils der Zigarren, die vom „American Trust“ produziert wurden, fertigte man fortan in dieser Fabrik. Bis vor ein paar Jahren wurden in der Manufaktor „La Corona“ Zigarren hergestellt. 900 Arbeiter waren dort beschäftigt, davon über 400 Torcedores. Sie fertigten Zigarren der Marken Cohiba, Montecristo, Romeo y Julieta, Partagás, Cuaba, Hoyo de Monterrey sowie sämtliche San Cristóbal-Formate. Heute steht das Gebäude leer.

Innerhalb weniger Jahre veränderten sich die Besitzverhältnisse in der Kubanischen Tabakindustrie vollkommen. Waren es vorher Spanier gewesen, die das Geschäft dominierten, waren es jetzt die Amerikaner und die Briten.

Nur wenige Fabriken, darunter einige auch heute noch bedeutende Marken, blieben in der Hand ihrer Besitzer. 1910 existierten noch etwa 70 unabhängige Fabriken. So bezeichnete man diejenigen Manufakturen und Marken, die nicht von amerikanischen und britischen Konsortien übernommen waren. Dazu zählten bekannte wie Por Larrañaga, Partagás, Romeo y Julieta, El Rey del Mundo, H. Upmann, aber auch andere, wie El Eden oder El Mapamundi, deren Namen heute allerdings niemandem mehr geläufig sind.

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Por Larrañaga; Bildquelle: 5THAVENUE Products Trading GmbH

Die Höhen und Tiefen des 20. Jahrhunderts

Das 20. Jahrhundert brachte für die Zigarrenindustrie Kubas vielfältige Veränderungen. Etwa 70 unabhängige Fabriken existierten zu Beginn des Jahrhunderts. Die anderen Fabriken und Marken gehörten amerikanischen und britischen Konsortien an. Diese wiederum exportierten grosse Mengen Tabak aus Kuba und liessen nur noch einen geringen Teil der Zigarren in Havanna fertigen. Stimmen nach Exporteinschränkungen wurden laut, deren Ziel es war, diesen möglicherweise komplett zu verbieten. Mit diesen Forderungen allerdings kam man nicht durch.

Die leicht positive Entwicklung auf dem Zigarrenmarkt zu Beginn des Jahrhunderts dauerte nicht lange, denn der Erste Weltkrieg 1914 liess den europäischen Markt beinahe komplett zusammenbrechen. Schwere Zeiten brachen an. Doch dann kamen die 20er Jahre, die „Goldenen Jahre“, „The dance of the millions“ oder auch „the fat cows period“ genannt. Zigarren liessen sich verkaufen wie nie zuvor. Man konnte hoch spekulieren, viel gewinnen, aber auch alles verlieren. Eine der bekanntesten Bankrotteure dieser Periode war die Familie Upmann, die durch Geldgeschäfte ihr Vermögen verlor und damit auch die Zigarrenproduktion nicht weiter führen konnte. 1922 musste die Zigarrenfabrik an die britische Firma Frankau S.A. verkauft werden. Doch die Upmanns waren nicht die einzigen, auch die bekannte Fonseca-Fabrik wurde veräussert. Die Manufaktur Ramón Allones, bisher in der Hand der unabhängigen Firma „Rabell, Costa, Vales y Cia.“, ging in britische Hand über.

Die Weltwirtschaftskrise Ende der 20er Jahre hinterliess ihre Spuren auch auf der Karibikinsel. Die Stimmung am Markt und in der Kubanischen Zigarrenindustrie war sehr pessimistisch. Böse Zungen sagten gar das Ende der Zigarrenherstellung in Kuba voraus. Am Ende waren immer mehr Zigarrenmarken und Fabriken in den Händen noch weniger Besitzer.

Neben den weltwirtschaftlichen Veränderungen beeinflusste auch die Einführung der maschinenhergestellten Zigarren die Marktsituation. Die Amerikaner als Spitzenreiter auf diesem Gebiet waren nun in der Lage, noch mehr Zigarren zu noch geringeren Kosten herzustellen. Sie opferten die Qualität der Quantität, konnten sich aber auch den Zugang zu völlig neuen Märkten erschliessen. Die Kubanische Zigarrenindustrie war davon natürlich insofern betroffen, als diese kostengünstigen Produkte den Weltmarkt geradezu überschwemmten. Kuba setzte weiterhin konsequent auf von Hand hergestellte Premium-Zigarren, die eines kundigen und nicht zuletzt zahlungskräftigen Publikums bedurften.

1927 wurde eine Kommission zum Schutz des Kubanischen Tabaks gegründet. Diese wollte sich für den aus Kuba stammenden Tabak und die tatsächlich in Havanna hergestellten Zigarren stark machen und damit sowohl die Qualität und die Originalität der Habano sichern. Die Kommission war sehr umtriebig und konnte beispielsweise durchsetzen, dass nicht in Kuba hergestellte Zigarren als Nicht-Kubanische gekennzeichnet werden mussten.

Ende des Zweiten Weltkrieges stabilisierte sich die Situation auf dem Weltmarkt, was sich beispielsweise daran zeigte, dass die amerikanische Regierung eine stattliche Anzahl Habanos orderte und sie als Geschenk an ihre in Deutschland stationierten Truppen sandte.

In den 50er Jahren war die Zahl der auf dem Kubanischen Markt tätigen amerikanischen und britischen Gesellschaften durch Kapitalkonzentration immer weiter, auf weniger als 100, gesunken. Auch die Zahl der unabhängigen Fabriken hatte rapide abgenommen: von den ehemals etwa 70 im Jahre 1910 waren es am Ende der 50er Jahre nur noch etwa 20. Dazu gehörten die auch heute noch bekannten Marken wie Romeo y Julieta, Por Larrañaga und José L. Piedra. Andere damals berühmte Marken und Familiennamen, wie Menéndez, García, Castañeda, Montero, J. Cano und Calixto Lopez, spielen heutzutage namentlich keine Rolle mehr.

Die kubanische Revolution

Entscheidender Wendepunkt in der Geschichte Kubas war die kubanische Revolution. Fidel Castro und Ernesto "Che" Guevara waren grosse Aficonados.

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Bildquelle: historyofcuba.com

In Folge des Sieges der Revolutionäre und der massiven Verschlechterung der Beziehungen zu den USA liess John F. Kennedy (der seinen Habanos-Vorrat vorgängig tüchtig auffüllen liess) ein Embargo gegen Kuba ein verhängen.

Die Kubanische Revolution änderte die Situation in Kuba völlig. Sämtliche Zigarrenmanufakturen wurden verstaatlicht, angefangen 1960, direkt nach Beendigung der Revolution. Von der Verstaatlichung waren auch die in amerikanischem und britischem Besitz befindlichen Marken und Fabriken nicht ausgenommen. Die Beziehungen zu Amerika wurden noch dazu durch das Handelsembargo, dass die Einfuhr beinahe aller Waren von Kuba nach Amerika untersagte, fast vollständig abgebrochen. Es kam zu einer Zentralisierung der Zigarrenherstellung unter der Leitung von „Kubatabaco“. Ursprünglich wollte Fidel Castro die Zigarren sozialisieren, respektive nur noch eine einzige Marke anbieten. Es kam aber anders. Einige Labels verschwanden, andere tauchten neu auf. So auch das Kultlabel Cohiba. Ein Leibwächter von Fidel Castro rauchte eine lange, dünne Zigarre, deren feiner Duft dem Commandante in die Nase stieg. Er lernte den Torcedor Eduardo Rivero kennen und beauftragte ihm mit der Gründung einer Manufaktur, welche die Lancero de Cohiba" herstellen sollte. Fidels persänliche Zigarre kam erst 1983 in den offiziellen Handel.

1994 wurde „Habanos S.A.“ gegründet, eine Gesellschaft, die für die Vermarktung und den Verkauf der Habano zustänig ist. Seit 2001 ist die Gesellschaft „TabaKuba“ für den kompletten Produktionsablauf zuständig.

Die historischen Tabakverbote

Antitabak-Fanatismus ist keinesfalls eine Erfindung der Gegenwart. Wikipedia schreibt im Artikel "Tabakkonsum" u.a.:

"1575 wurde für die Kirchen in Mexiko ein erstes Verbot gegen das Rauchen erhoben, da man in der „heidnischen Sitte“ des Rauchens eine Entweihung der Kirchen sah. Spätere Kontrollversuche wurden oft auf Grund von wirtschaftlichen und politischen Ideen angestrengt.
Die Verbreitung des Tabaks einerseits und diese Kontrollversuche andererseits führten im 17. Jahrhundert in Europa und auch in einigen asiatischen Ländern zu einer Krise. Etwa war London zu einem führenden Tabakhandelszentrum und das Pfeiferauchen in Grossbritannien sehr schnell zur weit verbreiteten Sitte geworden. Tabak war ein teures Gut, um die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert den zehnfachen Preis von Pfeffer wert. Jakob I., zu dieser Zeit König von England, veröffentlichte 1603 seine Schrift „Der Rauchgegner oder ein königliches Scherzstück über den Tabak“, eine Streitschrift gegen den Tabak. Der König brachte seine Abscheu dem Tabak und seine Verachtung den „ausschweifenden und liederlichen“ Rauchern gegenüber zum Ausdruck und bezweifelte dessen medizinische Wirkung.
Der erste Versuch eines Tabakverbotes geschah dann in Form von Erhöhungen des Einfuhrzolles um 4000%. Die Auswirkung war, dass die Zahl der legalen Importe sank und mit ihnen auch die königlichen Einnahmen. Stattdessen wuchs der Schmuggel, die Ware wurde gestreckt, und der Konsum stieg weiter an. 1608 wurden die Zölle wieder gesenkt und die Steuer für den Tabak zu einer bedeutsamen königlichen Einnahmequelle.
In Deutschland wurde die neue Gewohnheit des Rauchens anfänglich mit Verwunderung begutachtet, weitete sich dann aber schnell aus. Die Soldaten des Dreissigjährigen Krieges machten sie in der gesamten Bevölkerung bekannt, bei jung und alt, Mann oder Frau. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts gab es in Kursachsen, Bayern, den habsburgischen Erblanden in Österreich und vielen Kleinfürstentümern Verbote des Verkaufs von Tabak. Erlaubt war nur die Abgabe in Apotheken, wenn der Tabak als Medizin verkauft wurde. Jede Missachtung dieser Kontrollversuche wurde mit einer Geldstrafe (in Köln beispielsweise 50 Goldgulden), Arrest und Zwangsarbeit bestraft. Diese Kontrollversuche nützten jedoch wenig, sie wurden nie ernsthaft beachtet, da die Anzahl der Konsumenten zu gross war.
In Russland, China, Japan und der Türkei wurde mit härteren Mitteln gegen den Tabak und seine Verbreitung vorgegangen. Der Tabak wurde in diesen Regionen mit dem Einfluss der europäischen Kolonialmächte in Verbindung gebracht, die es zurückzudrängen galt. So gab es unter Sultan Murad IV. eine Raucherverfolgung. 1633 liess er alle Tabakhäuser niederreissen und das Rauchen wurde mit der Todesstrafe geahndet. In Russland wurde in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts der Tabakkonsum vom Klerus als Todessünde angesehen und mit dem Aufreissen der Nase und dem Aufschneiden der Lippe bestraft."

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