Humidor

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S. auch Lagerung und Dellos Stone Humidor

Montecristo B Humidor.jpg

Humidor Montecristo "B"; Bildquelle: 5th AVENUE Products Trading GmbH

Ein Humidor (humidus: lat. "feucht"), soll Zigarren bei einer relativen Luftfeuchte von rund 70 Prozent beherbergen, soll witterungsbedingte Feuchteschwankungen der Umgebung möglichst gut kompensieren, und er soll die Zigarren in ihrem Reifungsprozess unterstützen – was nichts anderes bedeutet: Die Aromen des Tabaks sollen möglichst lange erhalten bleiben, mehr noch, der Aromenumbau von einfacheren in komplexere Aromen soll unterstützt respektive nicht gefährdet oder verändert werden.

Marc André

Die im Cigar Wiki beschriebenen Details der richtigen Lagerung im passenden Humidor basieren auf dem Know-how des international renommierten Spezialisten Marc André, Geschäftsführer von DER HUMIDOR und gefragter Referent zur Thematik. Die Texte basieren unter anderem auf Marc Andrés Texten, die er für Referate und für das Fachmagazin Cigar Clan verfasst hat.

Inhaltsverzeichnis

Tischhumidore

Wer einen Tischhumidor nach rein optischen oder preislichen Gesichtspunkten auswählt, geht ein grosses Risiko ein. Schlechte Humidore gibt es viele im Markt. Sie zeichnen sich durch folgende Mängel aus:

Konstruktionsgrundlagen

Die meisten Humidore, die im Handel zu erwerben sind, sind nach dem gleichen Konstruktionsprinzip aufgebaut: Die Wände bestehen aus einem verzugsfreien Schichtpressstoff, beispielsweise einer Mitteldichten Faserplatte (MDF); das Äussere wirbt entweder mit einer farbigen Lackierung oder einem aufgelegten und klarlackierten Furnier; im Inneren schliesslich sind die Flächen mit einem weniger als ein Millimeter dünnen Furnier aus Spanischem Zedernholz beklebt. In grösseren Humidoren ist nicht selten noch ein Tablett als zweite Etage eingesetzt sowie der passive Befeuchter und das unvermeidliche Hygrometer im Deckel plaziert. Das ist es dann auch schon.

Ein guter Humidor muss keinesfalls ein Vermögen kosten. Bedenken Sie: Die Kosten eines Humidors der preislichen Spitzenklasse werden zu einem Grossteil von seiner Oberfläche bestimmt. Ein edles Furnier, zwanzig Schichten Polyesterlack von Hand auspoliert – das erfordert nicht nur Handarbeit, sondern auch eine Unmenge von Zeit. Wir wollen hier bewusst nicht auf das äussere Gestaltungs- und Erscheinungsbild eines Humidors eingehen – schöne Humidore gibt es viele, doch es gilt, unter all den ansprechenden Behältnissen diejenigen herauszufiltern, welche auch tatsächlich funktionieren.

Spanisches Zedernholz

Jedes Material, welches das Aroma des Tabaks beeinflusst, ist nicht wünschenswert. Tabak nimmt Fremdaromen unglaublich schnell auf – und gibt sie nur sehr langsam wieder ab. Wer einmal an einer Zigarre gerochen hat, die in der Umgebung eines aromatischen Holzes gelegen hat, der kann leicht nachvollziehen, welch starken Einfluss dominante Fremdaromen auf eine Zigarre haben. Kanadische Zeder, Libanonzeder und Western Red Cedar gehören zu solchen Hölzern, die geradezu dafür prädestiniert sind, feine Tabakaromen gänzlich zu überdecken.

Legen wir die Zigarren dagegen in einen Humidor, der mit Spanischer Zeder ausgekleidet ist, dann beobachten wir etwas sehr Interessantes. Trotz des Aromareichtums der Spanischen Zeder riechen die Zigarren auch noch nach Jahren so, wie sie zum Zeitpunkt der Einlagerung gerochen haben. Die Tabakaromen bleiben sämtlich erhalten – ja, sie entfalten sich sogar noch. Die Aromen des Tabaks und die im Spanischen Zedernholz enthaltenen Aromata sind sich sehr ähnlich. Das begründet auch die Harmonie der beiden Komponenten.

So gut dieses Holz den Tabak unterstützt, so schlecht ist seine Eigenschaft, hin und wieder "auszuharzen", also an seiner Oberfläche klebrige Stellen hervorzubringen.

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Bildquelle: Marc André

Genau genommen handelt es sich hier nicht um Harz, sondern um eine kautschukähnliche Verbindung aus Arabinose, Galaktose und Xylose. Bleiben wir jedoch der Einfachheit halber bei dem Begriff "Harz". In unserem Fall sind darin jene im Holz wirksamen Geruchskomponenten enthalten, die eine so hohe Affinität zum Tabak haben. Mitunter führt besagtes Ausharzen zu einem wenig nützlichen Tun: Weil die Flecken an der Holzoberfläche nicht unbedingt dekorativ zu nennen sind, werden die Furniere aus Spanischer Zeder häufig mit Aceton ausgewaschen. Nach dieser Prozedur harzt sicher nichts mehr aus – und genauso sicher sind alle wichtigen Aromen nicht mehr vorhanden. Zwar ist der Humidor nach wie vor mit Spanischer Zeder ausgekleidet, aber dieser Umstand kann lediglich als Verkaufsargument herhalten – die Lagerungsqualität ist praktisch dahin. Um den beschriebenen Unannehmlichkeiten vollends aus dem Weg zu gehen, wird bei der Auskleidung manchmal gänzlich auf Spanische Zeder verzichtet oder das Innere gewachst oder lackiert. All das dient zwar der Vereinfachung, nicht aber dem Wohl der Zigarren, die in solchen Kisten zu liegen kommen.

Es spielt jedoch nicht nur das verwendete Holz, sondern auch die Dicke der Auskleidung eine entscheidende Rolle. Wenn auf einer MDF-Platte ein 0,7 Millimeter starkes Furnier aufgeklebt ist, dann kann das Spanische Zedernholz zwei wichtige Funktionen im Humidor nicht übernehmen: Es kann weder auf Dauer den Aromenerhalt gewährleisten, noch kann es als Feuchtepuffer dienen, da sich hinter den 0,7-Millimeter-Furnier eine Leimschicht befindet, die wie eine Dampfsperre wirkt.

Ein guter Humidor sollte einen Korpus haben, dessen Holz sich möglichst nicht verziehen kann (das darf durchaus MDF, auch Multiplex sein) und im Inneren über eine Auskleidung von 5 bis 7 Millimetern unbehandelter, geschliffener Spanischer Zeder verfügen. Um beim eventuellen Ausharzen ein Festkleben der Zigarren am Holz zu verhindern, sollte das Spanische Zedernholz im Inneren des Humidors wiederum mit einem geruchlosen Furnier (Mahagoni, Gabun) belegt sein. Danach werden in dieses "Sandwich" senkrechte Schlitze an der Vorder- und Rückseite des Humidors gefräst, die so tief sind, dass sie in das Zedernholz hineinreichen. Diese Schlitze sorgen bei den gelagerten Zigarren für eine freie Entfaltung der Aromen, dienen gleichzeitig aber auch als Führungen für Unterteilungsbrettchen im Humidor. Selbst wenn in den Schlitzen "Harz" austreten sollte, kommen die Zigarren nicht mit der klebrigen Masse in Berührung. Die Schlitze mögen zwar etwas ungewohnt aussehen, aber diese Ausführung ist dennoch die intelligenteste bei der Konstruktion eines Humidors.

Tablarbretter

Grössere Tischhumidore, deren Befeuchter mittels eines Magnetstreifens im Deckel angebracht sind, verfügen häufig über eine zweite Etage in Form eines herausnehmbaren, gelochten Tabletts. Dieses Tablett bzw. Tablarbrett schliesst meist bündig zur Oberkante des Humidorkorpus. Das Ergebnis solch einer Konstruktion treibt dem Zigarrenliebhaber allerdings Tränen in die Augen: Zum einen sind die Zigarren, die auf dem Tablarbrett liegen, aufgrund ihrer unmittelbaren Nähe zum Befeuchter schon nach kurzer Zeit weich und matschig, während die feuchte Luft gar nicht dorthin gelangen kann, wo die meisten Zigarren liegen, nämlich unten im Humidor. Solch eine Konstruktion – leider tausendfach anzutreffen – macht absolut keinen Sinn.

Wenn schon ein derartig konstruierter Humidor über ein Tablarbrett verfügt, dann dürfen auf diesem Tablett keine Zigarren liegen, und zudem sollte der Boden des Tablarbretts in diesem Bereich wie ein Sieb aussehen, also maximale Öffnungsfläche haben, damit sich die feuchte Luft wie durch einen Schacht im Humidor fortbewegen kann. Tablarbretter sollten jedenfalls so gebaut sein, dass der Besitzer des Humidors genötigt wird, Platz zu verschenken – er darf direkt unter dem Befeuchter einfach keine Zigarren lagern können.

Befeuchter

Ein klassischer passiver Befeuchter besteht aus einem Metall- bzw. Kunststoffgehäuse, in dem sich ein Speichermedium für destilliertes Wasser befindet. Hierbei handelt es sich in der Regel um Schäume oder Schwämme, Acrylpolymere oder Bimssteine. Diese Medien speichern das Wasser und sollen es – angeblich – "kontrolliert" an die Umgebung abgeben. Wie diese "Selbstregulierung" vor sich geht, ist bis heute ein Geheimnis.

Warum verdunstet Wasser auf der Strasse nach einem Regenguss relativ schnell? Weil die Umgebungsfeuchte geringer ist als unmittelbar über der Wasseroberfläche. So wie die Pfütze nicht aufhört zu verdunsten, wenn es aufgehört hat zu regnen, so hört auch ein passiver Befeuchter nie auf, Feuchtigkeit an die Umgebungsluft abzugeben. Bis zum bitteren Ende. Es kommt zum Dilemma: Herrscht im Inneren des Humidors eine zu hohe Feuchtigkeit, besteht bei den Zigarren die Gefahr der Schimmelbildung; dieser Gefahr kann zwar durch Öffnen des Humidors – etwa fünf Minuten am Tag – begegnet werden, aber so können die Zigarren nicht ihr Aromenspektrum ausschöpfen bzw. werden sogar an Aroma verlieren.

Elektronischer Befeuchter

Der einzige Ausweg aus dem angesprochenen Dilemma ist ein Befeuchter, der tatsächlich die Feuchtigkeit im Humidor misst, reguliert und die Wasserverdunstung bei Erreichen von circa 70 Prozent relativer Luftfeuchte unmittelbar stoppt. Zudem sollte der Befeuchter auch noch die Luft im Humidor regelmässig umwälzen, und zwar auch dann, wenn keine zusätzliche Feuchtigkeit im Humidor benötigt wird. Ein System, das diesen Anforderungen gerecht wird, ist das elektronisch geregelte Befeuchtungssystem "Hydrocase". Beim Einsatz des Hydrocase kann ein Humidor, der beispielsweise im Ferienhaus steht, über vier Monate geschlossen bleiben – die Gefahr einer Überfeuchtung besteht dabei nicht. Perfekter lassen sich Zigarren nicht lagern.

Weiterführende Information zu elektronischen Befeuchtern.

Hygrometer (detaillierte Beschreibung s. Lagerung)

Nahezu alle Standard-Hygrometer, die für Humidore konzipiert sind, messen meist nicht das präzise, was sie messen sollen, nämlich die Relative Luftfeuchte. Wenn Sie Ihren Humidor allerdings elektronisch befeuchten, brauchen Sie sowieso kein Hygrometer, weil es in der Sensorik des Befeuchters schon eingebaut ist. Wenn Sie weiterhin passiv befeuchten wollen, dann sollten Sie ein synthetisches Haarhygrometer verwenden. Solch ein Gerät liefert wenigstens ansatzweise präzise Werte – "ansatzweise" deshalb, weil Sie hier mit einem Messfehler von rund 5 Prozent rechnen müssen, vorausgesetzt, das Gerät ist perfekt kalibriert. Ausserdem müssen Sie das Gerät regelmässig nachkalibrieren – ansonsten orientieren Sie sich an völlig falschen Werten. Von kostengünstigen digitalen Hygrometern (bis ca. 70 Euro) ist dagegen abzuraten, da sie nicht langzeitkonstant sind, das heisst, ihre Präzision lässt im Laufe der Monate nach. Abweichungen von bis zu 20 Prozent sind dabei keine Seltenheit. Wirklich präzise digitale Hygrometer sind nicht unter 200 Euro zu haben, ähneln eher einem Handfunkgerät als einer Messuhr und passen auch nicht in einen Humidor. Setzen Sie also entweder ein präzises synthetisches Haarhygrometer ein, oder befeuchten Sie gleich elektronisch.

Fazit Tischhumidor

Die Wirkungskette der Probleme sieht folgendermassen aus: Falsche Humidorkonstruktion und passive Befeuchter begründen das Erfordernis, regelmässig den Humidor zu lüften. Das wiederum wirkt sich nachteilig auf die Aromenentfaltung der Zigarren aus. Wird dagegen nicht gelüftet, so kommt es zur Überfeuchtung und bei den Zigarren zur Gefahr der Schimmelbildung.

Ein Humidor muSS intelligent konstruiert sein und eine Luftzirkulation ermöglichen. Da Luft nicht von alleine zirkuliert, muss aktiv für Zirkulation gesorgt werden, damit Trockenzonen und Feuchtenester im Humidor verhindert werden. Die Befeuchtung muss hundertprozentig bedarfsgerecht sein, das heisst, unter 70 Prozent Relativer Luftfeuchte wird Feuchtigkeit aus dem Befeuchter abgegeben, während bei Erreichen der 70 Prozent die gesamte Verdunstung des Befeuchters auf Null reduziert wird. Ein Überfeuchten ist damit ausgeschlossen.

Das richtige Wasser

Um eines vorweg zu nehmen – wenn im Zusammenhang mit Zigarrenbefeuchtungssystemen von destilliertem Wasser gesprochen wird, dann ist, genau genommen, demineralisiertes Wasser gemeint. Destilliertes Wasser wird, wie der Name schon sagt, durch Destillation (also das Verdampfen und anschliessende Kondensieren) von normalem Leitungswasser gewonnen. Selbst dieses Kondensat enthält noch Spuren von Verunreinigungen. Aufgrund des hohen Energieeinsatzes ist destilliertes Wasser teuer und man verwendet stattdessen demineralisiertes Wasser. Es wird auch als vollentsalztes Wasser bezeichnet und ist handelsüblich als Batteriewasser oder Haushaltsbügeleisenwasser erhältlich.

Der Glaube, destilliertes Wasser sei dem demineralisierten Wasser aufgrund seiner Keimfreiheit vorzuziehen, ist irrelevant, denn spätestens mit dem Öffnen der Flasche ist es mit der Keimfreiheit dahin. Das Einschleppen von Keimen in den Befeuchter lässt sich sowieso nicht verhindern, also bemühen Sie sich nicht darum.

Könnte man auch normales Leitungswasser verwenden? Wenn normales Leitungswasser verdunstet, dann bleiben die im Wasser gelösten Mineralien als Ablagerungen zurück. Diese können die feinen Kapillaren des Wasserspeichermediums (Polymer, Schwamm, Schaum) mit der Zeit verstopfen und dessen Aufnahmefähigkeit für Wasser reduzieren. Aus diesem Grund sollte immer ein „Deionat“, also ein vollentsalztes Wasser verwendet werden. Ob Sie dies nun in der Apotheke als destilliertes Wasser für teures Geld kaufen, im Baumarkt als Batteriewasser für billiges Geld erwerben oder direkt aus einer Umkehrosmose-Anlage der Hauswasseraufbereitung entnehmen – das bleibt Ihrem persönlichen Gusto überlassen.

Dann gibt es noch die am Markt angebotenen Humidorflüssigkeiten. Sie bestehen aus einem Gemisch von demineralisiertem Wasser und Propylenglykol. Letzteres ist eine farblose, nahezu geruchlose und stark Wasser anziehende Flüssigkeit. Aufgrund der starken Hygroskopizität soll ein Überfeuchten im Humidor verhindert werden. In gewissen Grenzbereichen funktioniert das auch, allerdings ist die schleimige Schicht, die das Propylenglykol auf dem Befeuchter bildet nicht jedermanns Geschmack und auch die Tatsache, dass es leicht giftig ist, trägt nicht unbedingt zur Sympathie gegenüber dieser Flüssigkeit bei.

Die Aussage, der Einsatz von Propylenglykol verhindere zuverlässig Schimmel im Humidor, ist nicht korrekt – es ist weder ein Fungizid noch ein Fungistatikum, kann also den Schimmel weder vernichten noch am Wachsen hindern.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass aromatisiertes Wasser, wie bspw. destilliertes Rosenwasser nicht in den Befeuchter eines Humidors gehört. Den Geruch würden Sie nie wieder aus den Zigarren herausbekommen.

Die richtige Grösse

Auf den ersten Blick eine triviale Frage – liegt die Antwort doch auf der Hand: „Das die Menge an Zigarren hineinpasst, die ich lagern will“. Nun, ganz so einfach ist es dann im wahren Leben des Zigarrenrauchers nicht. Vor allem dann nicht, wenn man in den Geschäften oder im Internet die Humidore in ihren Abmessungen vergleicht und feststellen muss, dass der identische Humidor in dem einen Shop für die Lagerung von ca. 50 Zigarren angepriesen wird, im anderen aber ein Lagerungskapazität von 120 Zigarren aufweisen soll.

Selbst wenn Sie sich darüber im Klaren sind, wie viele Zigarren Sie einlagern wollen, dann bieten Ihnen derart abweichende Empfehlungen keinerlei Orientierung. Eines vorweg – ein 8cm langes und 5mm dickes Zigarillo ist rein formal eine Zigarre. Eine 25 cm lange und 26mm im Durchmesser messende Jeroboam aber auch. Der Unterschied: Das Zigarillo hat ein Volumen von ca. 1,6 cm³, die Jeroboam weist ein Volumen von knapp 123 cm³ auf - also über das 75fache.

Zugegeben ein drastisches Beispiel, zeigt es aber doch das Grundproblem auf. Ein seriöser Anbieter wird das Fassungsvermögen des Humidors an den Abmessungen eines etwas grösseren Corona-Formates bemessen, also von einer Länge von rund 150mm und einem Durchmesser von ca. 16mm ausgehen. Das entspricht einem Volumen von ungefähr 30 cm³. Nun kommt die nächste Berechnungshürde. Nimmt man zur Berechnung des Fassungsvermögens das Humidorvolumen als Ausgangsbasis und teilt dieses durch das Volumen des Standardformats, dann passen in einen kleinen, rund 3 Liter Volumen fassenden Humidor 100 Zigarren hinein. Also vier Kisten. De facto bekommen Sie aber noch nicht mal 50 Zigarren hinein. Was ist das Problem?

1. Man zerbröselt ja nicht die Zigarre und stampft den Tabak in den Humidor – dann würde die Berechnung gewiss funktionieren. Die Zigarre ist von der Form her ein Zylinder, hat also aneinanderliegend nur wenig Berührungsfläche und nimmt damit effektiv mehr Lagerungsvolumen in Anspruch, als sie das Luftvolumen effektiv verdrängt. Hierfür müssen wir schon einmal gute 10% an effektiv zur Verfügung stehendem Lagerungsvolumen im Humidor abziehen.

2. Ein weitere Punkt ist, das die Zigarren nicht an die Abmessungen des Humidors angepasst sind und bei der Lagerung immer mehr oder weniger Hohlräume, bzw. nicht genutzte Lagerungsflächen entstehen. Hierfür müssen wir auch noch einmal 10 bis 20% nicht nutzbares Volumen einrechnen. Intelligentere Humidorkonzepte wie z-B. der CENTURY-Humidor verfügt über ein Lagerungssystem mittels Stellbrettchen (statt starrer Devider) und ermöglicht somit eine bessere Volumennutzung im Humidor.

3. Verfügt der Humidor über ein herausnehmbares Tablett, so geht ebenfalls Lagerungsvolumen verloren (entgegen der landläufigen Annahme, es würde sich vergrössern), da unter dem Tablett mindestens 1,5 bis 2cm Platz für die Luftzirkulation verbleiben sollte und das Tablett an sich auch noch Platz einnimmt.

4. Der wohl wichtigste Punkt ist der obere Bereich des Humidors, wo der Befeuchter positioniert ist. Zwar wird das Volumen des Deckels bei der Volumenberechnung des Humidors mitberechnet – aber versuchen Sie mal im Deckel Zigarren zu lagern. Zudem müssen Sie einen Mindestabstand von 3cm von Befeuchter zur obersten Lage der Zigarren einhalten, da ansonsten die dem Befeuchter zu nahe liegenden Zigarren zu feucht werden. Für die Augen nicht gerade ein Feuerwerk der Optik aber durchaus förderlich für die Zigarren ist es, ein Stück Zedernholzfurnier aus einer Zigarrenkiste auf die oberste Zigarrenlage, also zwischen Befeuchter und Zigarren, zu legen. Das dient als Puffer und mindert die Gefahr, dass die obersten Zigarren im Humidor überfeuchten.

Ergo: Ein üblicher Standard-Tischhumidor hat ein Volumen von rund 7 Litern und fasst realistisch rund 50 Zigarren. Mit intelligentem Lagerungssystem kommen Sie auf rund 60 Zigarren. Wenn Sie also das realistische Lagerungsvolumen berechnen wollen, so dass die Zigarren korrekt und nicht zu dicht gelagert werden, dann berechnen Sie das Innenvolumen des Humidors (Länge x Breite x Höhe in cm; das Ergebnis teilen Sie durch 1000 und erhalten das Volumen in Litern). Rechnen Sie pro Liter Humidorvolumen eine Lagerungskapazität von rund 8 Zigarren. Das erscheint in der Tat sehr wenig, ist aber ein sinnvoller Erfahrungswert.

Diese Orientierungshilfe gilt jedoch nur für die Lagerung von Einzelzigarren. Sobald Sie ganze Kisten einlagern wollen, wird die Sache etwas schwieriger. Hier auch hier wieder das gleiche Problem. Eine Kiste Partagas Serie P Nr. 2 hat nahezu die gleichen Abmessungen wie eine Kiste Casa Blanca Jeroboam. Nur passen in die Partagas Kiste 25 Zigarren und die Casa Blanca nur 5 Zigarren.

Bei Kistenlagerung macht die Angabe der Lagerungskapazität in Einzelzigarren keinen Sinn, einfach aufgrund der Formenvielfalt an Kisten (Semiplain Box, 25er oder 50er Cabinet, Miniboxen, etc.) und deren realen Inhalt. Üblicherweise behilft man sich dann wieder an der Orientierung des Coronaformates und berechnet, ausgehend von der Standard Corona (bspw. Montecristo Nr. 4) das Zigarrenkistenvolumen und dividiert dann das Schrankhumidorvolumen durch das Kistenvolumen. Das ist jedoch noch viel unsinniger als die Standardberechnung beim Tischhumidor. In einem Schrank muss aufgrund des grösseren Luftvolumens viel mehr darauf geachtet werden, dass die Luftzirkulation erhalten bleibt. Das bedeutet, dass effektiv nur ca. 60% des tatsächlichen Luftvolumens für die Zigarrenlagerung zur Verfügung stehen. Natürlich gibt es hier auch wieder Spezialisten, die nach dem Öffnen der Türe in den Schrank hineinrufen müssen: „Liebe Zigarren, alle mal tief ausatmen“, und dann die Türe mir Gewalt zuknallen müssen; aber das sind auch die, die jede Woche ihre Zigarren von oben nach unten und von unten nach oben schichten, weil sie eine katastrophale Feuchteverteilung im Humidor vorfinden.

Noch schwieriger wird das ganze, wenn man das Fassungsvolumen eines Humidors berechnen soll, wenn Einzelzigarren und ganze Kisten gemeinsam gelagert werden sollen. Im Grunde hilft da nur eines: Notieren Sie sich die Innenabmessungen des Humidors und die Aussenabmessungen der Zigarrenkisten und prüfen, ob alles gewünschte in den Humidor hineinpasst. In Schrankhumidoren mit Trays berechnen Sie das Volumen des Trays und rechnen pro Liter Volumen ungefähr mit 12 bis 14 Zigarren. Schlussendlich gelten immer die beiden Zigarrengesetze: § 1 Ein Humidor ist immer zu klein. § 2 Sollten Sie glauben, ein Humidor habe ausreichendes Lagerungsvolumen, so tritt automatisch § 1 in Kraft.

Schrank- und Grosshumidore

Weiterführende Informationen und Tipps finden Sie auf der Website von Marc André.

Quellen & Links

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