Lagerung

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S. auch Humidor
Marc André

Werden Zigarren nicht innert kurzer Zeit (je nach klimatischen Bedingungen max. einige Tage) nach dem Kauf geraucht, sind sie in einen Humidor zu lagern. Bezüglich richtiger Lagerung (Temperatur, Lüftung, Luftfeuchtigkeit, Befeuchtungssystem) gibt es unzählige Meinungen. Wir stützen und auf das Know-how des international renommierten Spezialisten Marc André, Geschäftsführer von DER HUMIDOR und gefragter Referent zur Thematik. Die Texte basieren unter anderem auf Marc Andrés Texten, die er für Referate und das Fachmagazin Cigar Clan verfasst hat.

Inhaltsverzeichnis

Luftfeuchtigkeit

Zigarren sollten bei einer relativen Feuchte von rund 70% gelagert werden. Das ist nun wirklich nichts substanziell Neues. Dann allerdings liest man landläufig von Empfehlungen, man müssen die relative Feuchte der Umgebungstemperatur anpassen, also bei höheren Temperaturen die Feuchtigkeit absenken und bei niedrigeren Temperaturen die Feuchte anheben.

Messmethoden

Die relative Luftfeuchte wird mittels eines Hygrometers gemessen. Und nahezu jeder Zigarrenraucher wird in seinem Humidor ein solches Gerät vorfinden. Allerdings sparen nahezu alle Humidorhersteller an diesem Instrument – was doch verwunderlich ist, da gleichzeitig in der Humidor-Betriebsanleitung die Empfehlung ausgesprochen wird, die relative Feuchte regelmässig zu prüfen und gegebenenfalls den Humidor bei zu hoher Feuchtigkeit auslüften zu lassen. Eine solche Empfehlung würde aber nur dann Sinn machen, wenn der gemessene Wert halbwegs verlässlich ist.

Zwar hat sich im Bereich der elektronischen Hygrometer die Qualität der angebotenen Geräte verbessert, ist aber zum Teil immer noch haarsträubend. Im Folgenden nun eine Übersicht über die Messmethoden und deren Bewertung.

Analoge Hygrometer

Analoge Hygrometer bestehen aus einem in ein Gehäuse eingebautem Zifferblatt, an dessen Rückseite eine Mechanik montiert ist. Die durch Feuchteänderung bedingte Bewegung der Mechanik wird auf eine Achse übertragen an der ein Zeiger angebracht ist. Ändert sich die Luftfeuchte, so bewegt sich der Zeiger über das Zifferblatt und man kann den angezeigten Wert ablesen.

Weit über 90% der in Humidoren (selbst in höchsten Preislagen) verbauten Hygrometer sind Spiralhygrometer. Als Messinstrument kommt eine gewickelte Metallspirale zum Einsatz, die sich bei Feuchteänderung ausdehnt oder zusammenzieht und die Bewegung auf den Zeiger überträgt. Diese Technik hat mit Präzision soviel zu tun, wie ein Nashorn mit Atomphysik. Abweichungen von über 40% sind keine Seltenheit – aus diesem Grund sollten Sie diesen Geräten mit eine gesunden Portion Skepsis begegnen – auch und gerade wenn sie bei 70% wie „angenagelt“ verharren. Ein weiteres Problem ist die praktisch unmögliche Kalibrierbarkeit dieser meist sehr kleinen Hygrometer – wenn man denn die Kalibrierschraube mittels eines Schraubendrehers tatsächlich drehen kann so fällt mitunter das ganze Hygrometer auseinander. Nahezu alle Hygrometer mit einem Durchmesser von weniger 50mm sind Spiralhygrometer.

Haarhygrometer

Eine erheblich präzisere Technik bieten sogenannte Haarhygrometer. Hierbei wird in der Mechanik ein Haar bzw. eine Kunstfaser eingespannt. Die Faser ändert ihre Länge in Abhängigkeit der Luftfeuchte. Diese Längenänderung wird in eine Drehbewegung umgesetzt und setzt den Zeiger in Bewegung. Aufgrund der aufwändigeren und grösseren Mechanik sind Haarhygrometer erst ab einem Durchmesser von 50mm erhältlich.

Echthaarhygrometers

Echthaarhygrometer (es werden ausschliesslich blonde Frauenhaare verwendet) haben gegenüber Hygrometern mit synthetischen Fasern mehrere Nachteile. Sie müssen regelmässig regeneriert werden (alle vier Wochen in einen feuchten Lappen wickeln, so dass das Haar nicht spröde wird) – das Hauptproblem besteht jedoch in der logarythmischen Ausdehnung eines Echthaars. Bei geringer Luftfeuchte bewirkt eine geringe Feuchteänderung einen grossen Ausschlag des Zeigers, je höher die Luftfeuchte ist, desto weniger dehnt sich das Haar noch aus und damit wird auch der vom Zeiger zurückgelegte Weg geringer. Diesen Sachverhalt kann man an der Skala eines Echthaarhygrometers gut erkennen. Der Abstand von 10 auf 20% ist weit grösser als der von 70 auf 80%. Je geringer der zurückgelegte Weg des Zeigers desto grösser ist der Messfehler. Allerdings wollen wir im Humidor immer höhere Feuchtigkeitswerte messen – also genau den Bereich, in dem ein Echthaarhygrometer seinen präzisen Bereich verlassen hat.

Daher ist es sinnvoll ein Hygrometer mit synthetischer Faser zu wählen, da hier die Messcharakteristik der Faser fertigungstechnisch bestimmt wird und weitgehend linear ist. Das bedeutet, dass der Zeiger über den gesamten Messbereich zwischen den einzelnen Feuchtemesswerten nahezu den gleichen Weg zurücklegt und damit bei höherer Feuchte auch eine präzisere Messung möglich ist. Derartige Kunstfaserhygrometer messen, sofern sie denn kalibriert sind, mit einer Genauigkeit von +/- 3-5% rF.

Elektronische Hygrometer

Zunehmend häufiger kommen auch elektronische Hygrometer zum Einsatz. Sie verfügen über eine LCD-Anzeige und vermitteln den Eindruck hoher Präzision. Die Realität sieht jedoch anders aus. Abweichungen von 20% und mehr innerhalb der gleichen Baureihe eines Hygrometers sind keine Seltenheit.

Zur Ehrenrettung der digitalen Hygrometer muss man aber sagen, dass es durchaus auch recht präzise Geräte gibt. Das Problem ist nur, dass man 10 verschiedene Messwerte bekommt, wenn 10 Hygrometer des identischen Typs verglichen werden.

Präzisionshygrometer

Wirklich exakt kann die relative Feuchte nur mit einem Präzisionshygrometer gemessen werden. Hier wird das kapazitive Messverfahren verwendet, das allen vorgenannten Verfahren hinsichtlich der Genauigkeit überlegen ist. Hierbei wird die Änderung eines elektrischen Feldes abhängig von der Umgebungsfeuchte gemessen. Nachteilig ist das optische Erscheinungsbild derartiger Hygrometer, die eher an ein Sprechfunkgerät erinnern und die Tatsache, dass sie aufgrund des hohen Stromverbrauches nicht im Dauerbetrieb verwendet werden können.

Hygrometer kalibrieren

Kein Hygrometer kann auf Dauer eine halbwegs präzise Messung der relativen Feuchte garantieren, wenn es nicht regelmässig kalibriert wird. Die folgenden Ausführungen beziehen sich nur auf analoge Hygrometer, da die digitalen Vertreter der Art eine Kalibrierung nicht zulassen. Bei der Kalibrierung stellt man den Zeiger des Hygrometers auf einen bestimmten Feuchtewert von dem man weiss, dass er gerade in unmittelbarer Umgebung des Hygrometers vorherrscht. Allerdings dürfen Sie nicht dem Trugschluss erliegen, Sie könnten mit Hausmitteln ein Hygrometer auf das Prozent genau kalibrieren. Aber auf +/- 3% kommen Sie schon heran. Sehr einfach durchzuführen ist die „Feuchte Lappen Methode“. Das Hygrometer wird in einen feuchten Lappen eingewickelt und nach etwa einer Stunde auf 98% eingestellt. Allerdings hat jedes Hygrometer eine eigene Messcharakteristik und hat damit einen präzisen und einen unpräziseren Bereich. Das heisst, dass diese Methode unter Umständen zu einem verfälschten Ergebnis führt, weil man ja bei einem Wert von ca. 100% rel. Feuchte misst/kalibriert und nicht bei dem Wert, den man eigentlich präzise messen will, nämlich 65-75%.

Eine etwas aufwändigere aber weit präzisere Methode ist das Prinzip der „Feuchtenormalen“. Nehmen Sie hierzu einen grossen Topf und vermischen Sie in diesem 100ml Wasser mit 40 Gramm Kochsalz. Das Salz wird sich nicht gänzlich auflösen – Sie erhalten eine gesättigte Kochsalzlösung. Stellen Sie in dem Topf ein Glas mit der Öffnung nach unten. Legen Sie das zu kalibrierende Hygrometer auf das Glas. Nun verschliessen Sie den Topf mit einer Klarsichtfolie und warten gute 3-4 Stunden. Dabei ist es elementar wichtig, dass die Temperatur konstant bleibt und sich wirklich nicht verändert. Nach dieser Zeit herrschen in dem Topf 75% relative Feuchte und auf diesen Wert stellen Sie das Hygrometer ein. Wenn Sie es ganz präzise machen wollen, dann erzeugen mittels eines Kleinstlüfters, den Sie in den Topf hängen lassen einen leichten Luftzug, damit auch tatsächlich überall die gleiche Feuchtigkeit herrscht.

Muss man regelmässig lüften?

Tabak benötige zur Reifung Sauerstoff, und Sauerstoff müsse den Zigarren durch regelmässiges Lüften zugeführt werden. Zudem gäben die Zigarren Gase an die Umgebungsluft ab, die natürlich aus dem Humidor abgeführt werden müssten. Nur wenn der Tabak "atmen" könne, sei eine korrekte Zigarrenlagerung möglich und die Gefahr eines entstehenden Muffgeruchs im Humidor reduziert.

So oder ähnlich lauten zahlreiche "Empfehlungen", die vor allem im Internet unterbreitet werden. Derartige Ratschläge sind mit Abstand der grösste Unsinn unter den Empfehlungen zur Zigarrenlagerung. Hier wird das Unvermögen marktüblicher, passiv [Humidor#Befeuchter|befeuchteter]] Humidore, nämlich die relative Feuchte tatsächlich nicht konstant halten zu können, als Grund für die Notwendigkeit einer regelmässigen Lüftung herangezogen und der Zigarre auch noch der Metabolismus eines Säugetiers zugeschrieben.

Bestücken wir einen extrem dicht schliessenden Humidor mit Zigarren und messen nach rund vier Wochen in dem prallgefüllten Behältnis, ohne es in dieser Zeit auch nur einmal geöffnet zu haben, den Sauerstoffpartialdruck (also den Sauerstoffanteil der Luft), so stellen wir fest: Im Gegensatz zu der Umgebungsluft ist er nicht messbar gesunken. Das ist bemerkenswert, denn laut weitverbreiteter Vorstellung, die sich bei einigen zigarrerauchenden Zeitgenossen zum Mythos ausgeformt hat, "atmen" ja die Zigarren, will heissen, sie verbrauchen Sauerstoff, gasen zudem selbst aus (Ammoniak). Wäre das gegeben, müsste das in einem geschlossenen Luftvolumen zu einem sinkenden Sauerstoffpartialdruck führen. Das ist aber nicht der Fall. Es ist richtig, dass der Tabak zum Reifen Sauerstoff benötigt. Es ist auch richtig, dass der Tabak Ammoniak ausgast. Es ist jedoch rundweg falsch, diesen Prozess als Argument für die Notwendigkeit einer regelmässigen Lüftung anzuführen.

Entzöge man dem Tabak jeglichen Sauerstoff, würde er faulen. Das ist aber in einem Humidor, selbst wenn er über ein Jahr geschlossen bliebe, vollkommen unmöglich, weil noch immer so viel Sauerstoff vorhanden ist, dass die Zigarren ihn niemals "verbrauchen" könnten. Das Gegenteil ist der Fall: Häufiges Lüften führt zur "Aromenflucht", so dass die Zigarren nach kurzer Zeit regelrecht "flach" und somit langweilig in der Nase sind.

Der Grund für die "Lüftungsempfehlung" liegt im Unvermögen der meisten Humidore, eine konstante relative Feuchte zu halten, ohne die Luft zu überfeuchten, wenn der Humidor über längere Zeit geschlossen bleibt, sowie in den konstruktiven Mängeln (etwa mangelhafte Luftzirkulation) oder der Verwendung falscher Materialien (was zu einem muffigen Geruch im Humidor führen kann). Ist einmal der Muffgeruch präsent, muss natürlich gelüftet werden – einerseits, um die zu hohe Luftfeuchte zu reduzieren, und andererseits, um den Mief aus dem Humidor herauszubekommen.

Wer einen intelligent gebauten Humidor sein eigen nennt, zudem auf eine konstante relative Feuchte achtet, kann sich das kontraproduktive Lüften sparen, denn dann geht es den Zigarren darin hervorragend.

Temperatur

Zigarren sollten bei einer relativen Feuchtigkeit von circa 70 Prozent gelagert werden. Das ist hinlänglich bekannt. Dieser Feuchtigkeit ausgesetzt, nehmen die Zigarren genau jene Menge an Wasser auf, die sie für eine mustergültige Reifung benötigen, was wiederum für geschmeidige Tabakblätter und hervorragenden Abbrand sorgt. Während die Luftfeuchtigkeit unumstritten ist, wird die Frage der richtigen Temperatur mitunter kontrovers diskutiert. Zimmertemperatur sagen die einen; von 16 bis 18 Grad Celsius ist bei anderen die Rede. Und manch beratungsresistenter Raucher legt die Zigarren auch heute noch in seinen Kühlschrank. Was hat es mit den genannten "Weisheiten" und den zu beobachtenden Praktiken auf sich – und vor allem: Worauf gründen sie sich?

Tabakaromen können leicht flüchtig, aber auch hochresistent sein. Hier tut sich also eine enorme Bandbreite auf. Sind Aromen an eher flüchtige Stoffe wie etwa ätherische Öle gebunden, so bewirken höhere Temperaturen durchaus ein schnelleres "Verdunsten" dieser Aromen. Besonders leicht nachvollziehbar ist dieser Umstand beim relativ flüchtigen Ammoniak, das bei frischen Zigarren den typischen leicht animalischen Geruch zu verantworten hat. Wird eine Zigarre relativ kühl gelagert, so behält sie diesen Geruch länger, als das bei höheren Temperaturen der Fall ist.

Es gibt Stimmen, die ein möglichst langsames "Abdampfen" des Ammoniaks befürworten, da dieser Vorgang für eine potenzielle Langzeitlagerung die bestmögliche Basis für den Aromenbildungsprozess darstelle. Von einem verlangsamten Nachfermentationsprozess ist dann die Rede. Das jedoch ist etwas verwirrend: Weil die ideale Fermentationstemperatur des Tabaks zwischen 50 und 60 Grad Celsius liegt, ist für eine fertige Zigarre der Terminus "Fermentation" (s. Tabakanbau) unzutreffend. Zwar können sowohl aerobe Vorgänge als auch mikrobielle und enzymatische Prozesse als "Fermentation" bezeichnet werden, doch sollte hier der Begriff "Reifung" als deutliche Abgrenzung zur eigentlichen Fermentation des Tabaks verwendet werden. Wie dem auch sei, so stellt sich die Frage: Macht eine "kühle" Lagerung Sinn? Oder ist sie kontraproduktiv?

In einem Punkt sind sich die Experten einig: Bei Temperaturen unter 16 Grad Celsius entwickelt sich die Larve des Tabakkäfers nicht, und somit besteht auch keine Gefahr des Lochfrasses. Allerdings dürfte dieser Sachverhalt eher ein Argument der Vergangenheit sein – nahezu jeder qualitätsbewusste Importeur frostet seine Zigarren bei minus 30 bis minus 40 Grad Celsius und macht auf diese Weise den kleinen Schädlingen den Garaus. Lediglich bei Eigenimporten, beispielsweise aus Frankreich und Spanien, kann es zur "Einfuhr" des Schädlings kommen. Ist das der Fall, kann immer noch die heimische Kühltruhe helfen.

Ob nun eine gekühlte Lagerung tatsächlich Sinn macht, hängt von der Zielsetzung der Zigarrenlagerung ab. Sollen Zigarren auf lange Zeit im Sinne des Cigar Aging eingelagert werden, dann ist die Lagerung bei möglichst konstanten Feuchte- und Temperaturbedingungen angebracht, da hier der Tabak über Jahre Zeit hat, neue Aromen zu entwickeln, und zudem die Gefahr der Schimmelbildung sehr gering ist. Allerdings ist das in der Praxis nur möglich in grossen Räumen, in denen die Zigarren in Kisten gelagert werden.

Ansonsten bleibt festzustellen: Für den "normalen" Zigarrenraucher, der in seinem Humidor bzw. in seinem Humidorschrank sowohl Zigarren für den zeitnahen Konsum als auch einige Kisten zur Einlagerung über einen längeren Zeitraum aufbewahrt, ist die Lagerung bei Zimmertemperatur eine sinnvolle Empfehlung. Ob dann im Sommer das Thermometer einmal für drei Wochen 28 Grad Celsius im Humidor anzeigt, ist völlig irrelevant – vorausgesetzt, die relative Luftfeuchte weist zum einen den richtigen Wert auf und ist zum anderen konstant.

Temperaturschwankungen in einem Bereich von 15 bis 30 Grad Celsius zerstören eine Zigarre nicht. Bedeutend anders verhält sich das Ganze bei schwankender Luftfeuchtigkeit. Lagert die Zigarre zu feucht, dehnt sie sich aus. Wird dann die Umgebungsluft abrupt trockener, kann das schrumpfende Deckblatt die Spannungen der Einlage nicht mehr halten – es reisst. Deutlich sichtbares Ergebnis sind dann aufgesprungene Brandenden und geplatzte Deckblätter.

Da die relative Luftfeuchte stark temperaturabhängig ist, wird schnell klar, weshalb der Wunsch zum Erhalt einer konstanten Temperatur besteht – weil es unter dieser Bedingung einfach ist, eine konstante relative Luftfeuchte herbeizuführen. Leider ist das nur in der Theorie der Fall. Die Praxis sieht ganz anders aus.

Physikalischer Exkurs

Quelle: Marc André

Dass die Langzeitlagerung bei konstanter abgesenkter Temperatur vorteilhaft sein kann – dem ist zuzustimmen. Freilich nur dann, wenn ein ganzer Raum gleichmässig vollklimatisiert ist und tatsächlich sowohl eine konstante Temperatur als auch eine konstante relative Luftfeuchte herrschen, bzw. wenn die Feuchte individuellen Wünschen angepasst werden kann.

Problematisch gestaltet sich das Unterfangen, einen Zigarrenschrank zu kühlen, der sich in einem nichtklimatisierten Raum befindet (Wohnung, Keller, Gastronomie). Da es immer populärer wird, Weinklimaschränke als Humidor zu nutzen, ist es notwendig, auf diese Thematik näher einzugehen.

Quelle: Marc André

Zunächst eine physikalische Feststellung: Luft kann Wasser speichern, und zwar um so mehr, je wärmer sie ist. Der Begriff "relative Luftfeuchte" (rF) beschreibt dabei folgendes: 1 Kubikmeter Luft kann eine bestimmte Menge Wasser, gelöst als Wasserdampf, aufnehmen. Bei 20 Grad Celsius sind das maximal 17,3 Gramm Wasser. Mehr ist rein physikalisch nicht möglich. Denn dann ist die Luft mit Wasser gesättigt, und es herrschen 100 Prozent relativer Luftfeuchte. Würde man der Luft mehr Wasser zuführen, so würde das Wasser als Nebel bzw. als Wassertropfen in der Luft verbleiben und nicht mehr gasförmig gelöst sein, das heisst, das Wasser würde auch als Niederschlag an den Wänden sichtbar werden.

70 Prozent relative Luftfeuchte bedeutet nun: In der Luft befinden sich, stets bezogen auf die aktuelle Temperatur, 70 Prozent der physikalisch maximal möglichen Wassermenge. Bei 20 Grad Celsius sind das demnach: 0,7 x 17,3 Gramm = 12,1 Gramm Wasser (gelöst) pro Kubikmeter Luft. 15 Grad Celsius warme Luft kann pro Kubikmeter Luft hingegen nur noch 12,8 Gramm Wasser aufnehmen. Bei dieser Temperatur wären bei 70 Prozent relativer Luftfeuchte also nur noch 0,7 x 12,8 = 9 Gramm Wasser (gelöst) pro Kubikmeter Luft vorhanden.

Es gilt folgender physikalischer Grundsatz: Wird Luft abgekühlt, so steigt zwangsläufig die relative Feuchte an – weil ja kältere Luft weniger Wasser aufnehmen kann als wärmere Luft. Physikalisch zwar nicht ganz korrekt, aber zur Vereinfachung dennoch als Richtwert verwendbar: Pro Grad Celsius Temperaturabfall steigt die relative Feuchte um circa 3 Prozent an, wenn der Luft nicht gleichzeitig Wasser entzogen wird. Dieser Sachverhalt ist elementar wichtig.

Solange die gekühlte Zigarrenlagerungsstätte hermetisch von der Umwelt abgeriegelt ist, also weder schwankenden Temperaturen noch in der Umgebungsluft herrschender, unregelmässig hoher relativer Feuchte ausgesetzt ist, ist die Welt der Zigarrenlagerung in Ordnung. Doch was geschieht beim Öffnen des gekühlten Schranks?

Zur Veranschaulichung verwenden wir Zahlen aus dem Jahrhundertsommer 2003: Status im Humidor = 15 Grad Celsius und 70 Prozent relativer Luftfeuchte; Status in der Umgebung des Humidors = 25 Grad Celsius und 60 Prozent relativer Luftfeuchte. Wenn jetzt der Humidor geöffnet wird, strömt die warme Aussenluft in das Behältnis. Wird der Humidor wieder geschlossen, wird die 25 Grad Celsius warme und 60 Prozent feuchte Luft um 10 Grad Celsius auf 15 Grad Celsius abgekühlt. Was geschieht? Bei 25 Grad Celsius und 60 Prozent relativer Luftfeuchte sind pro Kubikmeter Luft 13,9 Gramm Wasser (gelöst) vorhanden. 15 Grad Celsius warme Luft kann aber nur maximal 12,8 g Wasser aufnehmen. Die Folge: Kondenswasser im Humidor, weil die Luft das Wasser nicht mehr halten kann. Das Ergebnis sind volle 100 Prozent relativer Feuchte im Humidor.

Eine gekühlte Zigarrenlagerung in einem geschlossenen Behältnis (Humidorschrank), das in einer Umgebung steht, in der eine höhere Temperatur und eine niedrigere relative Feuchte herrschen als in dem Behältnis selbst, würde nur dann funktionieren, wenn die Technik in der Lage wäre, der Luft überschüssige Feuchte so zu entziehen, dass eine Überfeuchtung durch den Temperaturabfall ausgeschlossen wäre und zudem die Temperatur konstant gehalten würde.

Fazit

Unterstützende Technik bei der Zigarrenlagerung ist gut und richtig, solange diese Technik die Lagerungsbedingungen stabilisiert und dem Zigarrenraucher Arbeit abnimmt. Hinsichtlich der Kühlung kann jedoch ein Zuviel an Technik genau das Gegenteil dessen bewirken, wozu sie eigentlich gedacht ist.

Ist beim Wein eine konstante Temperatur wichtiger als eine konstante relative Luftfeuchte, so ist das bei der Zigarre genau umgekehrt. Vorausgesetzt, die relative Feuchte bleibt konstant, spielen selbst gelegentliche Temperaturkapriolen keine wesentliche Rolle.

Besteht weder die Möglichkeit noch die Notwendigkeit zur Anschaffung eines begehbaren Klimaraums, der im Grunde die einzig sinnvolle Möglichkeit eines gekühlten und befeuchteten Humidors darstellt, dann ist angeraten, sich auf eine professionelle Befeuchtung zu konzentrieren und die Temperatur ausser acht zu lassen.

Aged Cigars

Der bekannteste Verfechter von jahrzehntelanger Lagerung von Zigarren ist sicherlich Min Ron Nee, der Autor von "Eine Illustrierte Enzyklopädie der postrevolutionären Havanna-Cigarren". Er schreibt, dass die Reifeperioden - wie bei grossen Weinen - in Zeiträumen von Jahrzehnten gemessen werden müssten. Dass Zigarren nach einigen Jahren im Humidor schon besser schmecken würden, bezeichnet er als Klischee. Min Ron Nee unterscheidet vier Perioden der Reifung:

Für solcherlei Reifung braucht es lediglich 50 bis 60 Prozent Luftfeuchtigkeit und möglichst wenig Frischluft. Hand aufs Herz: Für die meisten von uns bleibt das pure Theorie.

Marc André schreibt zum Thema Aged Cigars: Um es ganz plakativ zu vereinfachen: Milde Zigarren haben ein geringeres Reifepotenzial als kräftigere Zigarren. Das sagt einem schon der gesunde Menschenverstand und viele Versuche belegen diese Aussage. Eine dominikanische Casa Blanca Corona hat nach 3 Jahren Lagerzeit ihr Zigarrenleben verwirkt, das einer Partagas Serie D Nr. 4 fängt nach dieser Lagerungszeit gerade erst an. Dies kann man zunächst einmal so stehen lassen.

Es ist durchaus zu beobachten, das vor allem milde Zigarren aus der Dominkanischen Republik im Vergleich zu denen aus Nicaragua oder Kuba schneller ihr Bouguet verlieren. Mit Bouquet meine ich die Aromen in der Nase im kalten Zustand vor dem Anzünden der Zigarre. Selbst bei sehr kräftigen domikanischen Zigarren kann man dies beobachten und zwar auch dann, wenn man cellophanierte Zigarren ihrer Plastikumhüllung belässt. Das ist schon erstaunlich. Das besagt jedoch noch nichts über den Geschmack und die Aromenfülle einer solchen Zigarre beim Rauchen. Ich kann mich entsinnen, es war von etwa zwei Jahren, da rauchte ich eine Davidoff Short Perfecto, die ihr Bouquet (Nase) praktisch gänzlich verloren hatte. Geschmacklich war diese Zigarre aber noch immer hervorragend.

Ein meiner Ansicht nach sehr wichtiges Kriterium, ob eine Zigarre das Potenzial zur Langzeitlagerung hat und sich qualitativ weiterentwickelt, ist ihre Würze. Ich meine damit nicht ihre Stärke. Es gibt unglaublich starke Zigarren, deren Aromen aber dennoch flach und langweilig sind. Eine solche Zigarre wird niemals das Potenzial haben, sich über die Jahre positiv zu entwickeln und Finesse in ihr Aroma zu zaubern. Ein La Flor Dominicana Chisel Double Ligero schmeckt heute genau so wie zur Zeit seiner Markteinführung. Die schiere Stärke dieser Zigarre lässt meiner Ansicht nach den feinen Aromen keinen Raum, sich in irgendeiner Weise bemerkbar zu verändern.

Fehlt dagegen einer würzigen Zigarre die ausgeprägte Stärke, so ist dies weniger kritisch. So ist eine El Rey del Mundo Tainos eine an sich recht milde Zigarre sie hat aber dennoch ein hervorragendes Lagerungspotenzial aufgrund ihres einzigartigen Aromas.

Schauen wir uns dagegen beispielsweise die kubanischen, maschinengefertigten Los Statos de Luxe an – denen in der Fachliteratur unverständlicherweise ein grosses Reifepotenzial zugeschrieben wird, dann raucht man nach 10 Jahren Lagerung in der Cellophanhülle eine Zigarre, die so ziemlich alles an Aroma eingebüsst hat was sie jemals hatte. Lagert man sie ohne Cellophanhülle, dann besteht der Rauch nur noch aus warmer Luft. Diese Zigarre ist sehr mild und hat keine ausgeprägten Würzearomen. Eine Zigarre, die sich also kaum für eine längere Lagerungszeit eignet.

Dann gibt es noch Zigarren, die ihr Aroma im Laufe der Zeit ganz radikal verändern. Ich selbst erlebe das derzeit mit einigen Cuaba Salomones aus dem Jahr 2003. Diese Zigarren entwickeln nach nun fünf bis sechs Jahren ein derart intensives Weihraucharoma und zwar nicht nur im kalten Zustand in der Nase sondern auch im Rauch selbst, dass man sich eher in einer katholischen Messe wähnt als im Ledersessel des Wohnzimmers.

Fazit: Viele kubanische Zigarren bergen ein hohes Potenzial, durch fachgerechte Lagerung über die Jahre qualitativ besser zu werden. Das trifft aber keinesfalls auf alle kubanischen Zigarren zu.

Die meisten dominikanischen Zigarren entwickeln sich durch Langzeitlagerung nicht unbedingt zum Positiven weiter, doch es gibt Ausnahmen.

Zigarren aus Nicaragua und Honduras können, wenn sie entsprechende Würze mitbringen, durchaus über die Jahre an Qualität gewinnen, wenngleich der Effekt nicht so markant wie bei kubanischen Zigarren ist.

Strapazieren wir die Analogie zum Wein, so findet die kubanische Zigarre ihr Pendant im Bordeaux. Doch wie man weiss eignet sich auch nicht jeder Bordeaux aus dem Supermarkt zur Langzeitlagerung. Hier gilt es, den fachkundigen Rat des Fachhändlers oder Zigarrenkenners einzuholen.

Zigarrenblüte, Schimmel, Milben, Tabakkäfer

Zigarrenblüte

Weisse, auch grüngelbe Ausblühungen auf der Zigarrenoberfläche haben dem einen oder anderen Aficionado schon so manche Schweissperle auf die Stirn getrieben. Nicht selten wird vom Entsorgen eines gesamten betroffenen Zigarrenbestands berichtet – schliesslich seien die Zigarren ja verschimmelt und damit nicht mehr rauchbar gewesen. Richtig – sofern es sich tatsächlich um Schimmel gehandelt hat. Tatsächlich ist das aber ganz selten der Fall. Fast immer handelt es sich bei den weisslichen Punkten um Ausblühungen, die als Zigarrenblüte oder auch als "Plume" bezeichnet werden. Im folgenden werden wir uns etwas ausführlicher mit der Zigarrenblüte beschäftigen und damit sichere und eindeutige Unterscheidungsmerkmale zum Schimmel aufzeigen.

Es gibt eine ganze Reihe unterschiedlicher Interpretationen, was genau die Zigarrenblüte ist. Insbesondere auf amerikanischen Websites liest man neben halbwegs richtigen auch sehr skurrile Meinungen. Da ist dann von "ausgeschwitztem Traubenzucker" oder "ausgefällten Stärkeflocken"«, von "»Tabakölen, die an der Oberfläche trocknen und kristalline Strukturen bilden" oder von "Abbauprodukten der Nachfermentierung des Tabaks" die Rede.

Die chemische Analyse der Zigarrenblüte jedoch zeigt etwas anderes – und zugleich etwas recht Erstaunliches. Es gibt nämlich zwei verschiedene Arten der Zigarrenblüte, die sich auch in ihrer chemischen Grundstruktur unterscheiden. Die eine Art tritt immer dann auf, wenn die relative Feuchte im Humidor absinkt, während die andere Art speziell dann zum Vorschein kommt, wenn die relative Feuchte im Humidor zu schnell erhöht wird, zum Beispiel in der ersten Woche nach Befüllen des (passiven) Befeuchtungssystems.

Sinkt die relative Feuchte im Humidor für längere Zeit ab, so ist der an sich hygroskopische Tabak noch feuchter als die ihn umgebende Luft. Physikalisch gesprochen liegt der Wassergehalt des Tabaks oberhalb der Sorptionsisotherme, gibt also so lange Feuchtigkeit ab, bis sich ein Gleichgewicht zwischen Wassergehalt des Tabaks und der ihn umgebenden Luft einstellt.

Wird der Luft nun nicht (durch einen Befeuchter) Feuchtigkeit zugeführt, so fungiert die Zigarre als "Luftbefeuchter" – sie wird immer trockener. Das Wasser transportiert nun auf seinem Weg zur Verdunstung an der Zigarrenoberfläche nicht nur sich selbst, sondern auch gelöste Mineralien und Salze. Diese Mineralien und Salze treten im gelösten Zustand durch das Deckblatt an die Oberfläche der Zigarre. Folge: Das Wasser verdunstet, und es bleiben die Mineralien, respektive Salze, sichtbar auf dem Deckblatt zurück. Besonders bei Zigarren, deren Tabake auf stark mineralreichen Böden angebaut worden sind, ist dieser Umstand von Bedeutung, da hier die Ausblühungen ganz unglaubliche Ausmasse annehmen können und auch in sehr unterschiedlichen Erscheinungsformen auftreten. Das Spektrum reicht vom weissen, fadenartigen Geflecht bis hin zu schwefelblumenartigen Ausblühungen, die nur schwer entfernt werden können.

So einfach der Nachweis für das Auftreten der mineralischen Zigarrenblüte beim Austrocknen des Tabaks ist, so komplexer ist die Erklärung der Zigarrenblüte, wenn die Umgebungsfeuchte rasch ansteigt, da physikalisch ja genau das Gegenteil des oben beschriebenen Sachverhalts vor sich geht. Salzablagerungen können es also nicht sein. Und tatsächlich haben die beauftragten Labors bei dieser Art der Zigarrenblüte keine Salze nachweisen können. Auch der Hinweis auf Zucker oder Stärke hat sich nicht bestätigt. Auffallend ist der leicht bittere Geschmack der Ausblühungen. Bei den Ausblühungen, die aufgrund steigender relativer Feuchte auftreten, handelt es sich offensichtlich primär um Proteine – allerdings konnten die Labors nicht die Herkunft bzw. den Entstehungsprozess der Zigarrenblüte eindeutig identifizieren. Osmose, Verdunstung, Kristallisation – all diese messbaren und nachvollziehbaren Prozesse scheiden aus. Ein spezifisches Problem der Analyse: Die Zigarrenblüte, die durch Feuchteanstieg entsteht, "wächst" viel langsamer als die Blüte durch Austrocknen der Zigarre. Zudem: Um das zu untersuchen, bedarf es einer äusserst aufwendigen Laboruntersuchung.

Eines aber ist auszuschliessen: Es handelt sich bei der durch Feuchteanstieg bedingten Zigarrenblüte weder um kristallisierte Öle noch um Abbauprodukte einer Nachfermentation (dazu müsste der Zigarre Wärme zugeführt werden), sondern um einen Eiweissstoff. Das erklärt auch den unangenehmen Geruch, wenn Sie eine in "Blüte" stehende Zigarre anzünden – was Sie übrigens niemals praktizieren sollten, selbst wenn in einigen amerikanischen Publikationen das "Blüte-Rauchen" als hip angesehen wird. Es schmeckt einfach nicht.

Leider lassen sich die beiden Arten der Zigarrenblüte optisch nicht voneinander unterscheiden. Selbst unter dem Mikroskop sehen die Strukturen sehr ähnlich aus. Sowohl geflechtartige Umhüllungen als auch leicht abwischbare, verstreute weisse Punkte (von kristallin bis flauschig-weich), als auch mit dem Deckblatt verwachsene, schwefelblumenartige Ausblühungen treten in beiden Fällen der Zigarrenblüte auf.

Welcher Art nun die Zigarrenblüte auch sein mag: Sie wischen die Ausblühungen mit einem weichen Pinsel ab und prüfen gewissenhaft die relative Feuchte im Humidor. Je konstanter sie ist, desto geringer ist die Neigung der Zigarre zum Ausblühen. Viel wichtiger, als zwischen den Arten der Zigarrenblüte zu unterscheiden, ist die Unterscheidung zwischen Zigarrenblüte und Schimmel.

Schimmel

Schimmel tritt verhältnismässig selten im Humidor auf und dann auch nur, wenn die relative Feuchte mehrere Wochen bei nahezu 80 Prozent oder sogar darüber liegt. Die Temperatur hat hierbei einen geringen Einfluss. Entgegen der landläufigen Meinung, eine höhere Temperatur (etwa 25 bis 30° C im Sommer) begünstige das Schimmelwachstum, ist es genau umgekehrt: Je kühler die Umgebung, desto schneller wächst der Schimmel (wie man auch gut beim Käse im Kühlschrank beobachten kann).

Der auftretende Schimmel kann, neben einer zu hohen relativen Feuchte im Humidor, seine Ursache in eingeschleppten Schimmelsporen haben (Lebensmitteln). Der dann auftretende Schimmel ist meist einer der Art Aspergillus. Zwar wächst dieser Schimmel vorzugsweise auf stärkehaltigen Lebensmitteln, fühlt sich aber auch auf feuchten Wänden im Haus wohl. Auf der Zigarre finden sich dagegen Arten des Aspergillus, die als Nährboden Salz- und Stickstoffquellen bevorzugen. Der Zusammenhang ist offensichtlich: Wenn die aus kristallisierten Salzen und Mineralien bestehende Zigarrenblüte nicht von der Zigarre entfernt wird, dann ist sie ein idealer Nährboden für Schimmel.

Der eigentliche Tabakschimmel (Oespora tabaci) kommt auf Zigarren im Humidor äusserst selten vor und tritt nur bei ganz akuter Überfeuchtung in Zusammenhang mit Stockflecken und auf. Für einen Laien ist dieser Schimmel aber nicht vom klassischen Lebensmittelschimmel zu unterscheiden.

Schimmel tritt immer punktuell auf, hat einen Kern und einen Vorhof, ist weiss oder schwarz, grau oder grünlich. Schimmel kann leicht vom Deckblatt entfernt werden, hinterlässt aber im Gegensatz zur Zigarrenblüte meist einen Fleck oder eine Farbveränderung an der betroffenen Stelle. Da die Zigarrenblüte weiss ist, kommt es häufig zu Verwechslungen und zum versehentlichen Entsorgen der Zigarren. Die einzig sichere Methode, Schimmel von der Zigarrenblüte zu unterscheiden, ist die Untersuchung mit einem hochauflösendem Mikroskop. Wenn die Ausblühungen fadenartig oder wie spitze Nadeln aussehen, dann handelt es sich um die Zigarrenblüte. Hat die Substanz jedoch die Gestalt von Stecknadelköpfen, handelt es sich um Schimmel (da sich die Schimmelsporen in den Köpfen befinden). Egal, welche Schimmelart auf einer Zigarre auftritt – sie ist nicht mehr zu geniessen und muss entsorgt werden.

Häufig wird als Unterscheidungsmerkmal zwischen Zigarrenblüte und Schimmel der Sachverhalt angeführt, Schimmel könne nicht rückstandslos entfernt werden, wohl jedoch die Zigarrenblüte. Dem ist nicht so. Auch die Zigarrenblüte kann mit dem Deckblatt der Zigarre fest verwachsen, ja sogar das Deckblatt im Extremfall stark beschädigen.

Falls Ihre Zigarren ausblühen bzw. einen weissen Flaum flächig oder punktuell verteilt aufzeigen, gehen Sie bitte wie folgt vor:

Wenn Ihre Zigarren tatsächlich verschimmelt sein sollten, dann muss neben der Entsorgung der befallenen Zigarren der Humidor äusserst gründlich gereinigt werden. Immer wieder ist davon zu lesen, ein Humidor sollte nach Schimmelbefall wenn nicht mit Alkohol, so doch mit Essig ausgewischt werden. Was es damit auf sich hat, wird weiter unten erklärt. Zunächst geht es um die Frage, was Sie erreichen wollen. Bei der Schimmelbeseitigung gibt es unterschiedliche Zielsetzungen:

Wenn Sie mit hochprozentigem Alkohol (Isopropylalkohol) den Schimmel aus dem Humidor wischen, dann lösen Sie lediglich die Schimmeloberfläche ab. Auf glatten Flächen mag das ausreichen, doch in einem Humidor mit poröser Holzoberfläche können Sie sich diese Mühe sparen. Alkohol hat keine sporiziden, also schimmelvernichtenden Eigenschaften. Daher gehört solch eine Aktion in den Bereich der überflüssigen Handlungsweisen.

Das Auswischen mit Haushaltsessig ist ebenfalls Unsinn. Die bakterizide Wirkung von Essigsäure verändert lediglich den pH-Wert, wodurch physiologische Prozesse unterbunden werden. Gegen Schimmel wirkt Essig überhaupt nicht.

Wirklich vernichtet werden kann Schimmel nur mit Hilfe der Chemie. In Frage kommen die Sporizide Wasserstoffperoxyd, Peressigsäure und Natriumhypochlorid sowie, als Fungistatikum, sogenannte quartäre Ammoniumverbindungen (wobei letzteres die Schimmelbildung lediglich zum Stillstand bringt). Die Probleme hierbei im einzelnen:

Doch auch ohne die Anwendung chemischer Produkte kann dem Problem Schimmel begegnet werden. Es macht lediglich mehr Arbeit.

Lassen Sie den Humidor zunächst einige Tage offen stehen und austrocknen (allerdings an einem Ort, an dem Sie die Schimmelsporen nicht einatmen). Am besten fönen Sie den Humidor schön warm aus, denn Pilzmyzele sterben bei circa 50 Grad Celsius ab. Dann wird der Humidor mit 120er Schleifpapier komplett und gründlich ausgeschliffen und während des Schleifvorgangs stetig ausgesaugt. Tragen Sie bei dieser Arbeit unbedingt einen Mundschutz und führen Sie sie am besten im Freien durch. Es empfiehlt sich, die Saugdüse des Staubsaugers mit Klebeband zu verengen, so dass Sie maximale Saugkraft erreichen. Die Ecken und Kanten des Humidors sollten besonders sorgfältig ausgekratzt werden.

Optimal ist es, wenn der Humidor anschliessend eine neue Auskleidung aus Spanischem Zedernholz erhält; eine Stärke von circa vier Millimetern reicht vollkommen aus. Sollte der Humidor im Inneren mit massivem Spanischem Zedernholz ausgestattet sein, dann ist diese zusätzliche Auskleidung nicht zwingend erforderlich. Ist der Humidor dagegen innen nur dünn furniert (das ist meist am Boden der Fall), dann bleibt nach dem Ausschleifen von dem ohnehin schon hauchdünnen Furnier so gut wie nichts übrig; es sollte zumindest eine neue Bodenplatte in den Humidor eingesetzt werden. Nach dieser "Kur" ist Ihr Humidor wieder "aufnahmebereit*.

Milben und Tabakkäfer

Mindestens ebenso erschreckend und nicht weniger eklig als Schimmel auf Zigarren ist das Erscheinen von krabbelndem Getier im Humidor. Dabei gibt es zwei deutlich zu unterscheidende Arten: sehr kleine, circa 0,5 bis 1 Millimeter grosse, weiss-milchige, krabbelnde Punkte, meist nicht einzeln, sondern in der Gruppe auftretend, sowie circa 2 bis 4 Millimeter lange, ovale, braunrot bis braungelb gefärbte und dicht grau behaarte Krabbelkäfer.

Milben

Bei dem milchig-weissen Krabbelgetier handelt es sich um die sogenannte Pflaumenmilbe – eine häufig vorkommende Hausstaubmilbe, die aber ungefährlich für die Zigarre ist, da sie sich primär von Pilzen (also Sporen und Myzel) ernährt. Die Pflaumenmilbe entwickelt sich bei Temperaturen zwischen 3 und 34 Grad Celsius bei einer Luftfeuchte von mehr als 60 Prozent. Also ist für dieses Lebewesen ein Humidor der ideale Lebensraum. Zwar ist die Milbe an sich für die Zigarre nicht schädlich, doch da sie sich von Schimmel ernährt, gestaltet sich das Ganze recht unappetitlich.

Selten treten diese Tierchen in Zigarrenkisten einzeln auf, sondern meist als kleine Kolonie, die lediglich die Oberfläche der Zigarren besiedelt. Das sieht zuweilen recht spektakulär aus. Aufgrund des fast ausschliesslich "»massenhaften" Auftretens der Milben wird vermutet, dass beim Verpacken der Zigarren kleine Gelege der Milbe mit dem Einschlagpapier der Zigarrenkiste in das Behältnis geraten, sich dort entwickeln und ausschlüpfen. Bei Milbenbefall bürsten Sie die Tiere einfach mit einem Pinsel von den Zigarren ab – wischen Sie die Kiste sorgfältigst aus und prüfen Sie, ob eventuell Schimmelbefall vorliegt.

Meine "Partagás Limitadas" von 2001 beispielsweise hatten einen ganz extremen Milbenbefall. Selbst mehrmaliges Abbürsten der Milben, das Einfrieren der Zigarren (in der Kiste) bei minus 24 Grad Celsius – nichts hat geholfen, obwohl die Pflaumenmilbe empfindlich auf niedrige Temperaturen reagiert. Immer wieder sind diese Viecher von neuem aufgetaucht. Woher sie kamen, wohin sie gingen – ein Rätsel. Nach wiederholtem wöchentlichen Abbürsten war dann irgendwann Ruhe – seitdem sind auf diesen Zigarren keine Milben mehr aufgetreten, weisen ausserdem weder Löcher noch sonst einen Schaden auf.

Also keine Panik bei Milbenfall. Zwar könnte man die Pflaumenmilbe auch mit chemischen Mitteln bekämpfen, wie etwa mit gasförmigen Akariziden (z.B. Kohlendioxid, Phosphorwasserstoff, Stickstoff, Sulfuryldiflourid), aber das wäre dann doch etwas über das Ziel hinausgeschossen.

Tabakkäfer

Wenn Sie statt weissen laufenden Punkten kleine braune Käfer im Humidor oder in der Zigarrenkiste entdecken, dann ist höchste Alarmstufe angesagt. Denn dann haben Sie den Lasioderma serricorne L. als Mitbewohner im Humidor bzw. in der Zigarrenkiste, und das ist insoweit unangenehm, als sich die Larve des Tabakkäfers von Tabak ernährt und die Zigarren regelrecht in Blockflöten verwandelt.

Junge Larven des Tabakkäfers sind gelblich, behaart und ziemlich fix unterwegs. Ältere dagegen werden bis zu 4 Millimeter gross, sind weissgelblich und bewegen sich recht wenig. Je nach Temperatur und Nahrungsangebot dauert die Entwicklung von der Junglarve bis zum Käfer zwischen siebzig und hundertzwanzig Tagen. Die Larven können sich nur deshalb auf und im Tabak vermehren, weil sie mit Hilfe von sogenannten "Symbionten" im Darm Nikotin abbauen, also in der Lage sind, sich selbst zu entgiften. Zunächst einmal ist alles ganz harmlos, denn da ruhen die Puppen des Käfers in einer Art Kokon, der aus mit Speichelsekret zusammengeklebten Tabakteilchen und Kotpartikeln besteht. Dieser Kokon wird von der Larve erst kurz vor der Verpuppung gebildet. Doch wehe, wenn sie "losgelassen". Ist das der Fall, treiben diese üblen Zeitgenossen circa eineinhalb Monate ihr Unwesen. Der erwachsene Käfer hat dann eine Lebensdauer von etwa sechs Wochen. Glücklicherweise erzeugen diese Tiere nur eine Generation an Nachkommen pro Jahr.

Zigarren mit Frasslöchern im Deckblatt können Sie nur noch entsorgen, während Sie Zigarren ohne Beschädigungen in eine zuvor gesäuberte Kiste packen, in eine Plastikfolie stecken und für mehrere Tage einfrieren. Der Käfer und die Larven sind temperaturempfindlich: Zum einen sterben die Larven bei einer Temperatur von unter 10 Grad Celsius ab, zum anderen kann sich der Käfer nur bei Temperaturen über 20 Grad Celsius vermehren.

Wollen Sie ganz sichergehen, dass nach dem Einfrieren und Auftauen der Zigarren tatsächlich kein Käfer bzw. dessen Larve überlebt hat, bleibt nur eine Möglichkeit: die in Folie eingeschweisste Zigarrenkiste anschliessend noch drei bis vier Wochen in den Kühlschrank legen. Wichtig ist jedoch auf jeden Fall eine längere Kältephase unter 10 Grad Celsius, um die Larven sicher abzutöten. Blosses Einfrieren reicht zur Vernichtung der Larven nicht aus. Hier erkennt man auch die an sich unsinnige Meinung, eine gekühlte Lagerung der Zigarren bei ca. 18°C schütze vor dem Tabakkäfer. Gewiss – bei dieser Temperatur vermehrt er sich zwar nicht, die Larven jedoch fressen weiterhin fröhlich Löcher in die Zigarren.

Um bereits bei der Produktion Zigarren vor Käferbefall zu schützen, werden in den Zigarrenfabriken Pheromon- und UV-Lichtfallen eingesetzt. Ausserdem wird zur Schädlingsbeseitigung auch Phosphorwasserstoff eingesetzt. Dennoch frostet jeder qualitätsbewusste Importeur grundsätzlich alle eintreffenden Zigarren und bietet somit ein hohes Mass an Sicherheit vor Tabakkäferbefall. Auch eine mit 30 bis 40 bar Hochdruck durchgeführte Durchdringung der Zigarren mit Kohlenstoffdioxyd ist ein wirksames Mittel zur Abtötung des Käfers, wobei dieses Verfahren in der Tabakindustrie allerdings eher selten eingesetzt wird.

Anders verhält es sich bei selbst importierten Zigarren oder bei Zigarren mit zweifelhafter Herkunft aus dem Ausland. Hier ist ein Käferbefall durchaus im Bereich des Möglichen – und jeder Aficionado sollte sich gut überlegen, ob er dieses Risiko eingehen möchte.

Fazit

Zigarrenblüte und weisse Milben sind zunächst unkritische, aber dennoch unangenehme Begleiterscheinungen der Zigarrenlagerung, die aber beseitigt werden können (und sollten). Wirklich durchgreifend und konsequent handeln müssen Sie bei Schimmelbefall und bei Auftreten des Zigarrenkäfers im Humidor, um grosse und auch zukünftige Schäden zu vermeiden.

Wiederbelebung trockener Zigarren

In einem Tip of the Week widmete sich Cigar Aficionado Online einem Evergreen: Wie werden trockene Zigarren behandelt? Geduld sei entscheidend, schreibt die Redaktion. Zu schnell zu viel Feuchtigkeit könne das Deckblatt beschädigen. Cigar Aficiondo Online schlägt folgendes Vorgehen vor: Die trocken Zigarren seien am Anfang der Wiederbelebungsphase im Humidor möglichst weit weg von den Befeuchtungselementen zu platzieren. Bei kleinen Humidoren sollten die Zigarren für die ersten Tage in eine Plastiktüte gesteckt werden. Nachher, während der nächsten Wochen oder gar Monaten, sollten die Zigarren den Befeuchtungselemente schrittweise angenähert werden. Dies schütze die Deckblätter vor Beschädigungen und verhelfe den Zigarren - eventuell - wieder zu ansprechenden Rauchbedingungen. Aber: Wenn eine Zigarre zu trocken sei, könne der ursprüngliche Geschmack nicht wieder hergestellt werden. Geduld hin oder her.

Humidor- und Lagerungsexperte Marc André hält wenig davon: Vor allem im Internet findet man auf diversen Ratgeberseiten den Hinweis, dass eine ausgetrocknete Zigarre nach mehreren Wochen korrekter Lagerung im Humidor wieder einwandfrei rauchbar sei – für die Ungeduldigen wird sogar die Empfehlung ausgesprochen, die relative Feuchte im Humidor auf 75 bis 80 Prozent zu erhöhen, um die Zigarre noch schneller wieder rauchbar zu machen. Wie ist diese Aussage zu bewerten?

Niemand käme beispielsweise auf die Idee, den Rotwein einer Spitzenlage in der Sonne zu lagern und ihn dann seinen Gästen als genussfähiges Produkt anzubieten. Der Grund ist einfach: Die fragilen Aromen würden durch eine derartige Behandlung in Mitleidenschaft gezogen, wenn nicht sogar gänzlich zerstört. Nichts anderes geschieht mit einer einmal ausgetrockneten Zigarre - auch wenn man ihr wieder Feuchtigkeit zuführt – sie verliert zahlreiche, wenn nicht ihre gesamten Aromen.

Die aromenwirksamen Komponenten des Tabaks sind sehr fragil. Sie sind an verschiedene, zum Teil sehr flüchtige Trägersubstanzen gebunden und gehen unwiederbringlich verloren, wenn die Zigarre einmal richtig ausgetrocknet ist. Der Gedanke, dass der Tabak während des Herstellungsprozesses zur Zigarre auch immer wieder trocknet und nachbefeuchtet wird und dabei die Aromen ja auch nicht verlorengehen, darf nicht zu dem Schluss führen, man könne die fertige Zigarre schadlos extremen Feuchtigkeitsschwankungen aussetzen. So wie der Tabak bei der Herstellung der Zigarre immer wieder nachbefeuchtet werden muss, so ist auch die Feuchtigkeit für den Aromenerhalt der Zigarre von elementarer Bedeutung.

Eine einmal ausgetrocknete Zigarre kann zwar wieder "rauchbar" gemacht werden, doch einen Genuss wird sie nicht mehr bescheren. Sie schmeckt flach, langweilig und hat alles verloren, was sie als Genussprodukt ausmacht.

Zellophan entfernen?

Eine "richtige" Antwort gibt es hier wohl kaum. Argumente für ein Zellophanierung sind: Schutz vor Transportschäden, Schutz bei schwankender Feuchte im Humidor, Schutz vor der Einwirkung von Fremdaromen sowie deutliche Verringerung der Gefahr des Reissens von Deckblatt und Brandende, Schutz bei Schädlingsbefall wie dem Zigarrenkäfer oder der lästigen Pflaumenmilbe. Als wichtigstes Argument gegen eine Zellophanierung wird das schlechtere Reifungspotenzial im Vergleich zur herkömmlichen Lagerung (etwa in einer Cabinet-Kiste) angeführt. Ein weiteres: Zum Prüfen des Zigarrenzustands muss die Zigarre aus dem Zellophan gepackt werden.

Ich selbst belasse zellophanierte Zigarren in ihrer Verpackung, vorausgesetzt, sie haben beim Einlagern die richtige Feuchtigkeit. Nur wenn ernsthaft erwogen wird, die Zigarre für lange Zeit einzulagern, um beispielsweise Cigar Aging zu betreiben, würde ich das Zellophan entfernen und die Zigarren dann möglichst in einer Cabinet-Kiste einlagern. Hinsichtlich des Schädlingsbefalles kann die Zellophanierung lebensrettend für die Zigarre sein – in einer Kiste Cabanas-Suaves von 1992 fand ich vier Zigarren mit Tabakkäferbefall. Glücklicherweise waren die Zigarren zellophaniert und so konnten sich die Milben nur innerhalb des Zellophans der vier Zigarren austoben – alle anderen Zigarren blieben unversehrt.

Muffiger Geruch

Riecht es im Humidor nicht nach Tabak, sondern muffig-schimmlig, so kommen dafür verschiedene Ursachen in Betracht. Sollte Ihr Humidor über einen Tablar oder über Schubladen verfügen, so kontrollieren Sie als erstes die Kanten der Luftlöcher im Boden des Tablars auf beginnende Schimmelbildung. Meist bestehen diese Böden aus furnierter Hartfaserplatte, und diese Platte beginnt nach einiger Zeit regelrecht zu "müffeln", wenn nicht sogar zu schimmeln. Sofern Sie das Bodenbrett als Quelle des Geruchs identifiziert haben, hilft nur noch eines: Raus damit aus dem Humidor. Soll das Tablar gerettet werden, dann sind die Kanten der Luftschlitze abzuschleifen und anschliessend mit einem chemisch aushärtenden Zweikomponentenklarlack zu versiegeln. Ansonsten hilft nur ein neuer Tablarboden, am besten aus Spanischer Zeder oder einem wasserfest verleimten, dünnen Sperrholz.

Sind die Zigarren die Quelle des muffig-schimmligen Geruchs und zeigen sich, vor allem am Brandende, weissgrünliche Verfärbungen und Flocken, die Sie nicht entfernen können, dann rate ich zur Radikalkur – und die sieht so aus: Alle Zigarren aus dem Humidor herausnehmen und mit einem weichen Pinsel sorgfältig "abbürsten"; den Humidor mit hochprozentigem Alkohol auswischen (Alkohol ist zwar kein Fungizid, sondern nur ein Fungistatikum, ist aber in diesem Fall immer noch besser als ätzende Chemie wie Chlor oder Wasserstoffperoxid) und danach heiss ausföhnen (Schimmelpilze sterben bei Temperaturen über 50° C); die Zigarren mit "flaumigem" Brandende werden Sie nun im Format verändern, indem Sie mit einer möglichst grossen Zigarrenschere (s. Accessoires) das Brandende um 1,5 bis 2 Zentimeter abschneiden.

Achten Sie zukünftig auf die korrekte Feuchtigkeit – 65 bis 70 Prozent relative Feuchte im Humidor sind allemal besser als 70 bis 75 Prozent. Die Zigarre raucht sich perfekt, und die Gefahr des Modergeruchs wird gemindert. Auch sollten Sie darauf achten, eine Quelle Spanischen Zedernholzes im Humidor zu haben (und sei es auch nur ein loses Brettchen), denn das Holz sorgt mit seinen aromenwirksamen Bitterstoffen dafür, dass Muffgeruch kaum eine Chance hat.

Die sehr oft zu lesende Empfehlung, ein Glas Whisky oder Cognac in den Humidor zu stellen, um damit muffigen Geruch zu verhindern, ist vollkommener Unsinn, da Zigarren Fremdaromen sehr leicht annehmen und durch solch eine Behandlung zu aromatisierten "Stumpen" mutieren.

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