Tabak
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Tabak (Nicotiana) ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae), zu der auch die Tomate, Kartoffel und Tollkirsche gehören. Heutzutage sind 65 Nicotiana-Arten bekannt. Gemeinsames Merkmal ist das spezifische Alkaloid Nikotin, das nur Tabakpflanzen in den Wurzeln produzieren und in den Blättern einlagern; dadurch ist Tabak eine relativ starke Droge.
Verbreitung
Der Tabakanbau ist der landwirtschaftliche Anbau von Tabak als Nutzpflanze zur Gewinnung von Rohtabak aus den geernteten und getrockneten Blättern, teilweise auch aus den ganzen Pflanzen. Wegen der grossen Anpassungsfähigkeit der subtropischen Pflanze wird Tabak bis in die gemässigten Zonen von 38° südlicher Breite bis 56° nördlicher Breite angebaut. Die wichtigsten Anbaugebiete sind Nord-, Mittel- und Südamerika, Volksrepublik China, Südostasien, Vorderasien/Balkan und Europa.
Welternte von Rohtabak
Die weltweite Rohtabakernte beträgt rund 7 Millionen Tonnen, davon 2,55 Millionen Tonnen in der Volksrepublik China.
Weitere bedeutende Tabakanbaustaaten sind:
- Indien
- Brasilien
- USA
- Türkei
- Simbabwe
- Italien
- Griechenland
- Indonesien
- Pakistan
- Argentinien
- Kuba
- Malawi
Hauptimporteure sind die USA, Deutschland, Grossbritannien, Russland und die Niederlande.
Anbau in Deutschland
Die Einnahmen aus dem Tabakbau waren für die kleinbäuerliche Landwirtschaft in Baden und der Vorderpfalz ab 1920 eine der wichtigen Einnahmequellen für die Landwirtschaft. Tabak bot vielen Landwirtsfamilien sowie vielen Taglöhnern Arbeit und Einkommen nachdem ein Beimischungszwang für heimischen Tabak in Zigarren und Zigaretten in Deutschland eingeführt worden war.
Mit 2000 Arbeitsstunden pro Hektar war der Arbeitsaufwand allerdings sehr hoch, aber die Einnahmen pro Flächeneinheit um das 10-20fache höher als bei Getreideanbau. Der Tabaksamen ist einer der kleinsten Samen im landwirtschaftlichen Bereich. Zehntausend Tabak-Körnchen wiegen gerade 1 Gramm. Bei 40-50 Tausend Tabakpflanzen pro Hektar und einem durchschnittlichen Anbau von 0,5 ha wurden 4,5 Gramm Saatgutmenge benötigt.
Tabak ist eine subtropische Pflanze und benötigt für die Keimung hohe Temperaturen. Die Tabaksaison beginnt in den gemässigten Klimaten mit dem Einweichen der Körner, einwickeln in Leinentüchern und Erwärmung auf 36 Grad Celsius Temperatur. Dies geschah in aller Regel unter zur Hilfenahme von Bettflaschen die von Landwirtsfamilien in Betten verwahrt wurden.
Bei Feuchtigkeit und Temperaturen um 40 Grad Celsius platzen die braunen Samenschalen nach 5-8 Tagen auf und der weisse Keimling wird sichtbar. Jetzt wird in Frühbeetkästen gesät. Die Frühbeetkästen, die das Bild der meisten Bauerngärten bestimmten, wurden rechtzeitig mit einem 20-30 Zentimeter dicken Mistbeet vorbereitet, auf dessen Oberfläche eine Spezialerde aus Torf und Mulch, genannt Fruhstorfer-Einheitserde, aufgebracht war. Zugedeckt wurden die Frühbeete mit Glasscheiben um subtropische Klimaverhältnisse zu schaffen.
Zwei Methoden der Aussaat wurden verwendet. Entweder wurde das Giess- oder das Handsaatverfahren eingesetzt. Die Giessaat erfolgte in der Weise, dass die für ein Frühbeet benötigte Saatgutmenge in die Giesskanne gegeben, die Kanne mit Wasser gefüllt und dann kräftig umgerührt wurde, damit alle Samen im Wasser gleichmässig verteilt waren. Daraufhin wurde das Gieswasser gleichmässig im Frühbeet verteilt.
Die Hand-Sämethode, die von konservativen Landwirten benutzt wurde, basierte auf der Verwendung von Gries. Man mischte den angekeimten Samen mit einem Pfund Gries in einer Schale. Anschliessend wurde diese Menge gleichmässig im Frühbeet verteilt. Der weisse Griess und der braune Untergrund der Fruhstorfer-Einheitserde machten es relativ leicht, die Saatmenge gleichmässig zu verteilen.
Für die ersten Tage wurden die Frühbeete mit Zeitungspapier abgedeckt, um den Boden vor schneller Austrocknung zu schützen. Nach ca. 3-4 Tagen wurde das Papier entfernt. Einer besonderen Pflege bedurfte die Temperaturregelung in den Frühbeetkästen. Durch tägliches öffnen und schliessen einzelner Scheiben wurde für Luftzirkulation und Wärmesteuerung gesorgt. Nach etwa 4 Wochen waren die Pflanzen gross genug um die ersten grösseren Pflanzen zu pikieren, bzw. für das Feld zu entnehmen.
Die bis in die 70er Jahre hinein verwendete Handpflanzung erfolgte in das fein krümelig hergerichtete Saatbett auf den Acker nachdem mit einem Markierrechen die Pflanzstellen festgelegt wurden. Die Pflege des Tabaks auf dem Feld beschränkte sich bis 1958 in erster Linie die mechanische Unkrautbekämpfung mit Handhacke, Hackgeschirr und Häufelpflug.
Nach mehreren Pflegeschritten wie Hacken, Häufeln, Köpfen (Entfernen der Blütenstände) und Geizen (Entfernen der Seitentriebe) können drei Monate später die untersten 3-4 reifen Blätter geerntet werden. Dieser Vorgang wird über 4-6 Wochen wiederholt, bis alle verwendbaren Blätter abgeerntet sind.
Mit dem Ausbruch der Blauschimmelkrankheit Peronospora im Jahr 1959 die durch unvorsichtiges Handtieren eines Wissenschaftlers mit diesem Peronospora-Pilz an der Bundesanstalt für Tabakbau in Forchheim verursacht wurde, war das Überleben vieler landwirtschaftlicher Betriebe in Frage gestellt. Der dramatische Strukturwandel der Landwirtschaft wurde in den Tabakanbaugebieten dadurch noch verstärkt. Der Tabakanbau spielt seit der Jahrhundertwende in Deutschland keine Rolle mehr.
Nutzung
Als Nutzpflanze haben nur zwei Arten wirtschaftliche Bedeutung, die zahlreiche Varietäten bilden und aus denen viele Sorten gezüchtet wurden. Die verbreitetste Art ist der Virginische Tabak (Nicotiana tabacum), zu dem nahezu alle heute angebauten Sorten gehören. Vereinzelt wird ausserdem noch Bauern-Tabak (Nicotiana rustica) angebaut. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Arten und -Sorten, die als Zierpflanzen Verwendung finden.
Tabakwaren
Die getrockneten, kurierten und gerebelten Tabak-Blätter (Rauchkraut) können in Tabakspfeifen oder gedreht als Zigaretten, Zigarillos und Zigarren geraucht werden. Das giftige, suchtauslösende Nikotin wird dabei zu grossen Teilen verbrannt; nur ein geringer Anteil verdampft und wird inhaliert. Bereits der Verzehr geringer Mengen kann wegen des hohen Nikotinanteils zum Tod durch Atemlähmung führen. Weniger verbreitet ist der Konsum in Form von Snus, Kautabak und Schnupftabak.
Parfümerie
In Herrenparfüms werden Tabaknoten gerne eingesetzt. Für echte Effekte sind Absolues aus echten Tabakblättern unerlässlich. Absolues werden durch Extraktion über das Concrète gewonnen.
Gentechnik
Der Tabak gehört zu denjenigen Pflanzen, deren Genom am besten erforscht ist. Er wird in der Gentechnik-Forschung bevorzugt, weil er weder von Mensch noch Tier verzehrt wird und deshalb nicht versehentlich in die Nahrungskette gelangen kann. Durch Veränderungen des Erbgutes entstand beispielsweise nikotinfreier Tabak; die Produktion von Medikamenten in Tabakpflanzen ist inzwischen ein ernsthafter und erfolgreicher Forschungszweig.
Zierpflanzen
Tabakarten und -sorten werden auch als Schmuckpflanzen angebaut. Unter diesen gibt es Wildarten wie den bis zu 1,7 m hohen, nachts stark duftenden Wald-Tabak (Nicotiana sylvestris) mit langen weissen Blütenröhren oder die vielen Sorten des Ziertabaks Nicotiana x sanderae, einer Kreuzung aus dem rotblühenden N. forgetiana und dem weissblühenden N. alata. Aus dieser Kreuzung entstanden Nachkommen in vielen Farbtönen und in unterschiedlichen Wuchshöhen, teils immerduftend, teils nachtduftend oder auch ohne Duft. Der „Scharlachkönig“ ist eine dunkel scharlachrot blühende, etwa 60 cm hohe Sorte.
Geschichte und Konsum
Hauptartikel: Tabakkonsum
Die Geschichte des Tabakkonsums reicht bis ins Jahr 1492 zurück, als Christoph Kolumbus Amerika entdeckte. Die dort lebenden Einwohner hatten schon das Tabakrauchen gekannt. Im Laufe der Jahren hat sich der Konsum sehr verändert. So gibt es verschiedene Konsumformen, Marken, so dass gar eine eigene Marktbranche entstand. Mit der Verbreitung ist auch die Kritik aufgekommen, so dass viele Länder das Rauchen an verschiedenen Orten gesetzlich verbieten.
Literatur
- Armando T. Hunziker: The Genera of Solanaceae. A.R.G. Gantner Verlag K.G., Ruggell, Liechtenstein 2001. ISBN 3-904144-77-4.
- Arnold Hauck: Duwaggbreche in Stutensee. Stutensee Hefte, Stadt Stutensee 2003.
- Hanna Heidt: Erinnerungen an die Vergangenheit. Eigenverlag, Schwanen Stutensee-Staffort 2003.
- Manfred G. Raupp: Was der Grossvater schon wusste - Gedanken zur Entwicklung der Landwirtschaft in Staffort; verfasst zum Andenken an Gustav W. Raupp (1905-1985). Eigenverlag, Lörrach und Stutensee-Staffort 2005.
Quellen
<references/>
Siehe auch
- Jean Nicot
- Verordnung über Tabakerzeugnisse
- Passivrauchen
- Sekundäre Pflanzenstoffe
- Nikotinabhängigkeit
- Tabaksteuer
- Rauchverbot
Weblinks
Vorlage:Commons Vorlage:Wiktionary Vorlage:Wikiquote
- Nicotiana - Eintrag in der Flora of China
- Tabak - Anbau, Verarbeitung - Kautabak, Schnupftabak, Zigaretten
- Auswirkungen des Tabakanbaus für die Umwelt
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