Cigar Art

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S. auch Fotografie Tobias Hauser

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Bildquelle: Divers/Collage & Abaco Art Café: Linda Cabaro

Die Bedeutung der Zigarre in der Welt der Kultur hat Hans Bewersdorff in der Welt am Sonntag vom 27. November 2005 sehr treffend beschrieben:

Die Geliebte großer Geister von Hans Bewersdorff

"Beflügeln große Zigarren auch große Gedanken? Die Vermutung liegt nahe, denn in der Literatur- und Musikgeschichte gibt es zahlreiche Beispiele. Ob Bertolt Brecht, George Sand, Mark Twain oder Richard Wagner. Sie alle umnebelten sich mit dem magischen Rauch ihrer Lieblingszigarre - und schufen unvergängliche Werke.
Ein fast erotisches Verhältnis hatte Thomas Mann zu seiner geliebten Maria Mancini, etwa wenn er im "Zauberberg" vom "pulsierenden Geäder" schwärmen läßt, "von den kleinen Unebenheiten ihrer Haut, dem Spiel des Lichtes auf ihren Flächen und Kanten". Um so schlimmer traf den Nobelpreisträger die Nachricht vom Aus der Marke in den 40er Jahren. Mehr als vier Dekaden vergingen nach Manns Tod, bis Maria Mancini von der deutschen Manufaktur August Schuster in Bünde wiederbelebt wurde. Doch auch wenn sich die neuen Zigarren geschmacklich an den Beschreibungen des Schriftstellers orientierten, entsprachen Formate und Ausstattung noch nicht dem Original. Das wollte Philipp Schuster (Mitinhaber in dritter Generation) nicht auf sich beruhen lassen. Er stöberte in den Archiven und fand die Abbildung der alten Vista Maria Mancinis auf einer Originalkiste sowie exakte Beschreibungen der alten Formate. Die Grundlage für eine echte Renaissance.
Seit kurzem sind die fünf Vitolas auf dem Markt. Allein die Anmutung dieser Unikate kommt einer Zeitreise gleich, handelt es sich doch um Formate, die vor 100 Jahren sehr beliebt waren: klein, elegant, eigenwillig. Sie kommen allerdings aus Honduras, während das Original damals noch in Bremen gefertigt wurde. Fünf Variationen gibt es (No.1 bis No.5). Die No.1 war die Thomas-Mann-Zigarre. Sie entspricht etwa der Größe einer Corona, ist aber eine schlanke Perfecto. Es bleibt die Frage: Was hat der große Romancier an dieser Zigarre so geliebt? Um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, habe ich sie einem bedeutenden zeitgenössischen Literaturkritiker, Autor und Feinschmecker zum Probieren gegeben: Hellmuth Karasek.
Als eingefleischter Havanna-Raucher hat er sich lange geziert: "Sie wissen doch, ich kann mit Davidoff & Co nicht viel anfangen." Aber seine geistige Blockade hat er schließlich doch überwunden. Die Neugier auf die Thomas-Mann-Zigarre war stärker. Nachdem Karasek zehn Tage mit den "bräunlichen Schönen" (Mann) von Termin zu Termin gereist war, ohne sie anzurühren, hat er es schließlich in seinem Heiligtum getan: der Bibliothek. Und Maria eroberte ganz sanft mit ihrem betörenden Duft Raum und Karasek. Zug um Zug kamen die beiden sich näher, in der Mitte hatten sie zueinander gefunden. "Die hat Kraft und Finesse", sagt Karasek respektvoll und betrachtet das perfekte Bild der Asche. "Aber sie braucht wie meine Kubanerinnen ein ordentliches Mahl vorweg. Deswegen heißt sie wohl auch Postre de Banquete (Nachtisch), weil man sie zum Dessert genießen sollte.
Thomas Mann hat nicht unrecht, wenn er im "Zauberberg" schreibt: "Einige Zurückhaltung im Verkehr wird empfohlen, man kann nicht eine nach der anderen anzünden, das geht über Manneskraft." Karasek blickt auf die Bauchbinde. Sie zeigt das Porträt von Maria Mancini, die der Zigarre ihren Namen gab. Ihre Schönheit wußte schon König Ludwig XIV. zu schätzen. Er nahm sie zu seiner Geliebten. "Hat man eine gute Zigarre, dann ist man eigentlich geborgen, es kann einem buchstäblich nichts geschehen", befand Thomas Mann. Hier schließt sich der Kreis in Übereinstimmung mit Hellmuth Karasek. Auch der Preis ist komfortabel (1,30 bis 3,60 Euro)."

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